Eigenmarke entwickeln und erfolgreich einführen

53,0 % Wertanteil machen die Schweiz zum europäischen Ausnahmemarkt für Eigenmarken, doch gewonnen wird der Wettbewerb nicht an der Kasse, sondern in den Sekunden davor, wenn Verpackung, Markenarchitektur und Regalwirkung über Vertrauen und Auswahl entscheiden.
Inhaltsverzeichnis
- Warum die Eigenmarke 2026 das Regal regiert
- Strategische Grundentscheide vor dem Start
- Sortimentsarchitektur und Preisstufen klug aufbauen
- Packaging-Design mit neurowissenschaftlichen Prinzipien
- Verpackung testen bevor das Regal entscheidet
- Lieferanten und Kosten auf SKU-Ebene im Griff behalten
- Vom Test zum Rollout und was am Ende zählt
Warum die Eigenmarke 2026 das Regal regiert
In einer von PLMA International ausgewerteten Ländergruppe von 17 Staaten lag der Wertanteil der Eigenmarken in der Schweiz bei 53,0 % und damit über der 50-%-Marke; nur die Niederlande lagen mit 51,3 % ebenfalls über 50 %, wie die Private-Label-Auswertung von PLMA International zeigt. Damit ist die Eigenmarke im Schweizer Detailhandel kein ergänzendes Preisschild mehr, sondern ein tragender Bestandteil der Sortiments- und Markenführung.

Diese Marktposition verändert die Aufgabe von Produktmanager:innen, Category Manager:innen und Packaging-Teams. Eine Eigenmarke muss nicht bloss eine günstige Alternative darstellen. Sie muss im Regal eine erkennbare Rolle übernehmen, eine Qualitätsstufe signalisieren und sich in ein verständliches System aus Sortiment, Verpackung und Markenversprechen einfügen.
Historische Entwicklungen bestätigen, dass die Schweizer Eigenmarkenstärke kein kurzfristiger Effekt ist. Medienberichte auf Basis von Nielsen-Daten nennen seit 2009 einen Private-Label-Anteil von rund 49 % im Schweizer Detailhandel. Spätere Erhebungen weisen 49,8 % nach Volumen und 42,5 % nach Wert aus. Für 2021/2022 wurden sogar 57,6 % der in Schweizer Supermärkten verkauften Produkte als Eigenmarken ausgewiesen, verbunden mit einem Wertanteil von 51,9 %. Diese Angaben sind in der Einordnung der Schweizer Marken- und Handelsstrukturen durch die NZZ zusammengefasst.
Der strategische Hebel liegt nicht im Tiefpreis
Migros erzielt rund 90 % ihres Umsatzes mit Eigenmarken, Coop etwa 56 %, wie die genannte NZZ-Einordnung beschreibt. Solche Strukturen machen deutlich, weshalb die Gestaltung einer Eigenmarke nicht erst mit dem Etikett beginnt. Händler steuern damit Sortimentsbreite, Orientierung, Qualitätswahrnehmung und die visuelle Ordnung ganzer Kategorien.
Der entscheidende Perspektivwechsel lautet deshalb: Eine Eigenmarke ist kein einzelnes Produkt mit Händlerlogo, sondern ein Marken- und Verpackungssystem. Dieses System muss auf Distanz funktionieren, Varianten voneinander unterscheiden und trotzdem als zusammengehörige Range erkennbar bleiben.
Praktische Regel: Wer eine Eigenmarke nur über den Preis positioniert, überlässt die wichtigsten Vertrauens- und Orientierungssignale dem Zufall.
Die Entwicklung beginnt daher mit drei Fragen: Welche Lücke schliesst die Marke? Welche Qualitätsstufe soll sie besetzen? Und wie schnell muss ein Shopper am Regal verstehen, was Produkt, Kategorie und Nutzen voneinander unterscheidet? Erst wenn diese Antworten feststehen, kann Design seine Aufgabe erfüllen.
Strategische Grundentscheide vor dem Start
Vor dem ersten Gestaltungsvorschlag braucht die Eigenmarke eine belastbare strategische Rolle. Der häufigste Fehler besteht darin, einen Namen, ein Logo und eine Farbwelt zu entwickeln, bevor geklärt ist, welches Problem im Sortiment gelöst werden soll.
Positionierung und Markenrolle definieren
Eine brauchbare Entscheidung beginnt mit der Positionierung. Eine Budget-Linie muss Preisorientierung und einfache Auswahl vermitteln. Eine Mittelstufe braucht ein ausgewogenes Verhältnis aus Verlässlichkeit, Qualität und Alltagstauglichkeit. Eine Premium-Linie muss ihre höhere Wertigkeit sichtbar und glaubwürdig begründen, etwa durch Rezeptur, Herkunft, Material, Verarbeitung oder besondere Anwendungsvorteile.
Die zentrale Frage ist nicht, welche Linie besonders attraktiv klingt. Sie lautet: Welche Erwartung soll beim ersten Blick entstehen, und kann das Produkt sie nach dem Kauf erfüllen?
Dafür sollten Teams vor dem Design folgende Punkte schriftlich beantworten:
- Sortimentslücke: Fehlt eine preisgünstige, eine hochwertige oder eine klar spezialisierte Lösung?
- Wettbewerbsumfeld: Gegen welche Markenartikel und bestehenden Eigenmarken tritt das Produkt tatsächlich an?
- Kategorienorm: Welche visuellen Signale erwarten Käufer:innen in dieser Kategorie, und wo darf die Marke davon abweichen?
- Vertrauensbedarf: Muss die Packung besonders stark mit Herkunft, Sicherheit, Inhaltsstoffen, Qualität oder Anwendung arbeiten?
- Markenfamilie: Soll das Produkt eine bestehende Dachmarke stärken oder eine eigenständige Linie aufbauen?
Sensible Kategorien verlangen mehr als Preislogik
Bei Baby, Gesundheit und Schweizer Herkunft reicht ein Preisvorteil als Kaufargument nicht aus. In diesen Bereichen prüfen Käufer:innen die Packung stärker auf Sachlichkeit, Sicherheit und Glaubwürdigkeit. Claims müssen verständlich bleiben, Herkunft muss eindeutig codiert sein, und die visuelle Gestaltung darf keine unnötige Skepsis erzeugen.
Schweizer Untersuchungen zeigen, dass Eigenmarken in Familien- und Kindersegmenten gut abschneiden. Für den Schweizer Familien-Award 2026 wurden 88 Segmente geprüft, darunter 14 Eigenmarken-Segmente; neue Eigenmarken-Kategorien wie Baby- und Kindergetränke, Snacks und Beikost wurden gezielt ausgebaut. In sechs von acht Degustationen gewann eine Eigenmarke oder Billiglinie, wie die Auswertung des Schweizer Familien-Awards beschreibt.
Das verschiebt die Aufgabe im Packaging. Die Frage lautet nicht mehr, ob eine Eigenmarke grundsätzlich als Qualität wahrgenommen werden kann. Entscheidend ist, welche Beweise und Codes die jeweilige Kategorie verlangt. Ein reduziertes Design kann im Bereich Haushalt modern wirken, in einer sensiblen Gesundheitskategorie aber unterinformiert erscheinen.
Kategorieauswahl mit operativer Realität abgleichen
Die attraktivste Kategorie ist nicht automatisch die beste Startkategorie. Vor dem Launch sollten Produktkomplexität, Lieferfähigkeit, Haltbarkeit, Verpackungsanforderungen und Prüfaufwand gemeinsam bewertet werden. Ein Sortiment mit vielen Varianten kann strategisch überzeugend aussehen, aber operative Komplexität und gebundenes Kapital unnötig erhöhen.
Ein sinnvoller Startpunkt ist eine Pilotkategorie, in der die Marke eine erkennbare Lücke besetzt und das Designsystem genügend Varianten abbilden kann. Die erste Linie dient damit nicht nur dem Abverkauf. Sie zeigt, ob Markenarchitektur, Produktqualität und Verpackung im realen Kontext dieselbe Geschichte erzählen.
Sortimentsarchitektur und Preisstufen klug aufbauen
Eine Eigenmarke funktioniert langfristig als System aus Preis- und Qualitätsstufen, nicht als Ansammlung einzelner Produkte. Händler müssen deshalb entscheiden, welche Linien wirklich unterschiedliche Bedürfnisse bedienen und welche nur zusätzliche Namen, Logos oder Verpackungsregeln erzeugen.
Die Schweizer Entwicklung zeigt, dass diese Bereinigung bereits auf Markenebene stattfindet. Migros will über 150 Eigenmarken auf 100 reduzieren. Coop stärkt das mittlere Segment, indem Qualité et Prix unter dem Namen Coop gebündelt wird. Lidl führt Schweizer Produkte unter der Dachmarke Qualité Suisse mit über 1'000 Produkten, wie die Orientierungshilfe des Schweizer Radio und Fernsehens zu Eigenmarken und Markenartikeln berichtet.
Drei Tiers brauchen klare Aufgaben
Eine praxistaugliche Architektur kann mit drei Ebenen arbeiten:
- Budget: Die Linie steht für einen zugänglichen Preis und eine unkomplizierte, funktionale Auswahl. Die Gestaltung braucht hohe Lesbarkeit und darf nicht den Eindruck erwecken, dass wichtige Produktinformationen fehlen.
- Mittel: Diese Stufe bildet häufig das Rückgrat eines Sortiments. Sie muss Alltagstauglichkeit, verlässliche Qualität und ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis sichtbar machen.
- Premium: Hier muss die höhere Wertigkeit in Produkt und Verpackung begründet sein. Eine edlere Farbwelt allein erzeugt noch keine Premium-Wahrnehmung.
Die Tiers sollten nicht nur über Farbe unterschieden werden. Zuverlässiger ist eine Kombination aus visueller Hierarchie, Typografie, Bildsprache, Materialanmutung, Claims und Produktcodierung. Wenn jede Linie völlig anders aussieht, verliert die Dachmarke an Kraft. Wenn alle Packungen nahezu identisch wirken, wird die Auswahl am Regal langsam und fehleranfällig.
Die Übersicht zum Range-Design und zur Sortimentsentwicklung hilft dabei, die Eigenmarke als zusammenhängendes System statt als Einzelprojekt zu betrachten. Besonders wichtig ist die Frage, welche Regeln über alle Kategorien hinweg gelten und wo die Kategorie eigene Codes braucht.
Die Markenanzahl ist kein Qualitätsmass
Die Schweizer Studie SWISS BEST BRANDS 2026 wertete insgesamt 312 Eigenmarken aus. Die Verteilung zeigt die unterschiedliche Markenbreite der Händler:
| Händler | Anzahl Eigenmarken |
|---|---|
| Migros | 117 |
| Aldi Suisse | 71 |
| Lidl Schweiz | 57 |
| Coop | 38 |
| SPAR Schweiz | 19 |
| Denner | 5 |
| Volg | 5 |
Die Daten stammen aus der SWISS-BEST-BRANDS-Auswertung 2026. Sie zeigen vor allem die Spannweite möglicher Markenportfolios. Eine hohe Zahl an Eigenmarken ist für sich genommen weder ein Vorteil noch ein Problem. Entscheidend bleibt, ob jede Linie eine verständliche Funktion erfüllt.
Sortimentsregel: Jede zusätzliche Linie braucht einen klaren Grund, einen eigenen Käufernutzen und eine unterscheidbare Regalrolle.
Für die Planung sollte ein Händler deshalb zuerst die gewünschte Preis- und Qualitätslogik skizzieren und erst danach Namen vergeben. Ein gutes System macht Unterschiede sichtbar, ohne Käufer:innen mit unnötigen Markenentscheidungen zu belasten. Das spart nicht nur Designaufwand. Es erleichtert auch Listung, Produktion, Navigation im Onlineshop und spätere Rebrandings.
Packaging-Design mit neurowissenschaftlichen Prinzipien
Die Verpackung konkurriert am Regal nicht nur mit direkten Produkten, sondern mit allen visuellen Reizen in der Umgebung. Eine Schweizer FMCG-Auswertung nennt 3,5 Sekunden als Zeitfenster, in dem 73 % der Käufer:innen die Entscheidung am Regal treffen; in 68 % der Fälle löst das Verpackungsdesign den Stop-Effekt aus, wie die Auswertung zur Produktkommunikation am POS beschreibt.

Diese kurze Entscheidungssituation verlangt keine dekorative Verpackung, sondern eine schnell erfassbare Informationsordnung. Shopper müssen zuerst erkennen, wo das Produkt steht, dann verstehen, was es ist, und schliesslich einschätzen können, ob es zur aktuellen Aufgabe und zum erwarteten Preis passt.
Die Front braucht eine eindeutige Hierarchie
Die erste Designfrage lautet nicht, welche Elemente auf die Vorderseite gehören. Sie lautet, welches Element zuerst gesehen werden soll. Eine belastbare Front-of-Pack-Hierarchie ordnet typischerweise:
- Marken- oder Liniencode, damit die Packung in der Range verortet werden kann.
- Kategorie und Produktart, damit der Inhalt ohne Interpretationsaufwand erkennbar ist.
- Hauptnutzen oder Differenzierung, sofern dieser für die Auswahl relevant ist.
- Beweise, etwa Herkunft, Rezeptur, Inhaltsstoffe oder Anwendung.
- Preis-, Mengen- und Pflichtinformationen, die lesbar bleiben müssen, aber nicht die Hauptbotschaft verdrängen dürfen.
Ein Design kann im Studio ausgewogen wirken und im Regal trotzdem untergehen. Das passiert etwa, wenn eine feine Typografie neben kontrastreichen Markenartikeln verschwindet, der Produktname zu klein gesetzt ist oder mehrere Claims dieselbe Aufmerksamkeit beanspruchen. Die Gestaltung wurde dann auf der Einzelfläche beurteilt, nicht in der tatsächlichen Wettbewerbssituation.
Farbe muss Orientierung leisten
Farbpsychologie im Packaging ist kein dekorativer Zusatz. Farbe kann Linien voneinander trennen, Geschmacksrichtungen codieren, eine Kategorie zusammenhalten oder eine Qualitätsstufe markieren. Das funktioniert jedoch nur, wenn die Farblogik konsequent bleibt und nicht jede Variante mit einer neuen visuellen Sprache arbeitet.
Ein gutes Farbsystem beantwortet drei Fragen:
- Was verbindet die Range?
- Was unterscheidet die Varianten?
- Was darf sich je Kategorie verändern?
Zu viele Farben erzeugen Unruhe. Zu wenig Kontrast erschwert die Orientierung. Eine Nachhaltigkeitsfarbe oder ein Naturbild kann zwar eine Erwartung aufbauen, ersetzt aber keine klare Produktbotschaft. Besonders problematisch wird ein Übergewicht an Nachhaltigkeitssignalen, wenn Herkunft, Nutzen oder Qualitätsbegründung nicht ebenso verständlich dargestellt werden.
Neurodesign braucht Kontext
Neurowissenschaftliche Prinzipien bedeuten in der Praxis nicht, dass Käufer:innen auf einen einzelnen visuellen Trick reagieren. Sie helfen vielmehr, Aufmerksamkeit, Wiedererkennung und Informationsverarbeitung als zusammenhängenden Prozess zu gestalten. Blickfang, Kategoriecode und Botschaftshierarchie müssen deshalb gemeinsam getestet werden.
Für ein Design-Briefing sind konkrete Regeln hilfreicher als allgemeine Begriffe wie modern, natürlich oder hochwertig:
- Blickfang festlegen: Welche Fläche soll im Regal zuerst Aufmerksamkeit erhalten?
- Kernbotschaft reduzieren: Welche Aussage muss auch bei kurzer Betrachtung verstanden werden?
- Kategoriecode sichern: Welche Form, Farbe oder Bildlogik verankert das Produkt in seiner Kategorie?
- Varianten ordnen: Woran erkennt der Shopper Geschmacksrichtung, Anwendung oder Qualitätsstufe?
- Beweise priorisieren: Welche Information stützt Vertrauen, und welche gehört auf die Rückseite?
Gestaltungsprinzip: Eine Packung ist nicht dann erfolgreich, wenn jedes Element sichtbar ist. Sie ist erfolgreich, wenn die richtigen Elemente in der richtigen Reihenfolge verstanden werden.
Verpackung testen bevor das Regal entscheidet
Verpackungstests sollten nicht erst beginnen, wenn die Gestaltung fertig und die Produktion vorbereitet ist. In einer Schweizer Erhebung mit 1'000 Personen aus Romandie und Deutschschweiz bewerteten über 40 % Verpackung als «ziemlich wichtig» für die Kaufentscheidung, während rund 20 % ihr keine Bedeutung beimassen, wie die Schweizer Verpackungsstudie von Univerre Pro Uva und MIS Trend zeigt.
Die Zahlen beschreiben keine einheitliche Reaktion. Genau deshalb darf ein Team nicht nur jene Personen befragen, die sich besonders für Design interessieren. Ein belastbarer Test muss zeigen, ob die Packung auch unter Zeitdruck, neben Konkurrenzprodukten und in unterschiedlichen Kanälen funktioniert.

Vier Prüfungen für eine marktfähige Packung
Erstens, Blickfang im Regal messen. Die Variante wird nicht auf einer weissen Präsentationsfläche beurteilt, sondern in einer realistischen Regalumgebung. Zu prüfen ist, ob Käufer:innen die Packung überhaupt bemerken und ob die Marke oder die Kategorie zuerst erkannt wird.
Zweitens, Botschaftsverständnis validieren. Testpersonen sollten beschreiben können, was das Produkt ist, für wen es gedacht ist und welchen Hauptnutzen es bietet. Wenn die Antworten stark auseinandergehen, braucht die Front eine klarere Hierarchie.
Drittens, kaufrelevante Informationen gegenprüfen. Preis, Inhalt, Herkunft, Nachhaltigkeit und Anwendung müssen auffindbar und verständlich sein. Eine visuell starke Packung verliert an Glaubwürdigkeit, wenn wichtige Angaben zu klein, zu kontrastarm oder in einer überfüllten Informationszone stehen.
Viertens, Varianten im echten Nutzungskontext vergleichen. A/B-Varianten gehören sowohl ins Shelf-Setting als auch in den Onlineshop. Im Regal zählt die Fernwirkung, im Onlineshop zusätzlich die Lesbarkeit als kleines Vorschaubild und die Fähigkeit, Varianten voneinander zu unterscheiden.
Typische Testfehler vermeiden
Ein häufiger Fehler ist die isolierte Bewertung einer einzelnen Packung. Ohne Nachbarschaft, Distanz und Zeitdruck bleibt offen, ob die Gestaltung ihre Aufgabe im Wettbewerb erfüllt. Ebenso problematisch ist eine Befragung, bei der nur gefällt oder nicht gefällt gemessen wird. Sympathie erklärt noch nicht, ob ein Produkt gefunden, verstanden und gewählt wird.
Ein zweiter Fehler besteht darin, Nachhaltigkeitssignale als eigenständigen Erfolgsnachweis zu behandeln. Materialanmutung, Naturfarben oder Recyclinghinweise können Vertrauen stützen, aber sie müssen mit Kategorie, Produktnutzen und Markenrolle zusammenpassen.
Für die Dokumentation eignet sich eine einfache Testmatrix:
| Prüfpunkt | Leitfrage | Entscheidung |
|---|---|---|
| Sichtbarkeit | Wird die Packung in der Regalumgebung bemerkt? | Hierarchie anpassen oder bestätigen |
| Verständnis | Werden Produktart und Hauptnutzen korrekt erkannt? | Botschaft schärfen |
| Information | Sind Preis, Inhalt, Herkunft und Claims auffindbar? | Informationsordnung überarbeiten |
| Kanalwirkung | Funktioniert das Design im Regal und im Onlineshop? | Variante auswählen oder weiterentwickeln |
Die Praxis für systematische Produktreviews unterstützt eine solche Beurteilung, wenn qualitative Rückmeldungen mit konkreten Entscheidungskriterien verbunden werden. Das Ziel ist kein möglichst positives Feedback, sondern eine klare Entscheidung vor dem Rollout.
Lieferanten und Kosten auf SKU-Ebene im Griff behalten
Die wirtschaftliche Qualität einer Eigenmarke entsteht nicht nur durch den Einkaufspreis. Materialwahl, Packungsaufbau, Füllvolumen, Ausschuss, Logistik und Umrüstaufwand wirken auf SKU-Ebene zusammen. Wer diese Faktoren nicht getrennt sichtbar macht, kann eine scheinbar günstige Verpackung freigeben, deren Gesamtkosten später höher ausfallen.
Ein belastbares Beispiel liefert Denner. Der Händler erfasste in Zusammenarbeit mit ETH-Forschenden sämtliche Primär- und Sekundärverpackungen von 3'605 Produkten. Dabei wurden rund 50'000 Tonnen Verpackungsmaterial pro Jahr dokumentiert, davon 15'000 Tonnen bei Denner-Eigenmarken. Auf dieser Datenbasis setzte Denner das Ziel, das Verpackungsmaterial der Eigenmarken bis 2025 um 20 % zu reduzieren, wie die ETH-Dokumentation zur Verpackungsdatenbank von Denner beschreibt.
Vollständige Daten schaffen Prioritäten
Der Nutzen einer solchen Datenbank liegt nicht allein in der Gesamtmenge. Sie macht sichtbar, welche SKUs bei Materialtyp, Gewicht, Packungsformat oder Sekundärverpackung besonders stark ins Gewicht fallen. Dadurch können Teams Repackaging-Entscheide priorisieren, statt jede Verpackung gleich zu behandeln.
Für die operative Steuerung braucht jede SKU mindestens eine nachvollziehbare Verpackungsstückliste:
- Primärverpackung: Material, Gewicht, Format und Kontakt zum Produkt.
- Sekundärverpackung: Umkarton, Trays, Folien oder weitere Einheiten für Transport und Verkauf.
- Füllvolumen: Verhältnis zwischen Produktmenge und Verpackungsaufwand.
- Lieferantendaten: Spezifikation, Mindestanforderungen, Freigaben und Änderungsstatus.
- Kostenwirkung: Materialkosten, Produktionsfolgen und mögliche Auswirkungen auf Logistik und Regal.
Eine reine Materialsubstitution greift zu kurz. Wird beispielsweise nur das Material der Primärverpackung ausgetauscht, ohne Sekundärverpackung und Packungsaufbau zu erfassen, kann die Bilanz ein verzerrtes Bild liefern. Die vollständige Stückliste zeigt dagegen, wo eine Reduktion wirklich Wirkung entfaltet und wo eine Änderung neue Nachteile verursacht.
Kosten und Markenwirkung gemeinsam entscheiden
Die günstigste Lösung ist nicht automatisch die beste. Dünneres Material kann die Stabilität beeinträchtigen, ein kleineres Format kann die Regalwirkung schwächen, und eine neue Verpackung kann zusätzliche Produktions- oder Prüfprozesse auslösen. Umgekehrt kann ein klareres Format Material sparen und zugleich die Orientierung verbessern.
Lieferanten sollten deshalb nicht nur nach Stückkosten bewertet werden. Relevant sind auch Spezifikationsdisziplin, Änderungsfähigkeit, Qualitätskontrolle und die Fähigkeit, ein System über mehrere SKUs konsistent umzusetzen. Besonders bei sensiblen Kategorien darf der Kostenentscheid nicht die Vertrauenssignale auf der Packung beschädigen.
Die Entwicklung von Private-Label-Kosmetik in der Schweiz zeigt, weshalb Produkt, Verpackung und Markenrolle bei komplexen Eigenmarken gemeinsam gedacht werden müssen. Ein Lieferant kann eine technisch funktionierende Packung produzieren. Die Verantwortung für Verständlichkeit, Differenzierung und Range-Konsistenz bleibt jedoch beim Marken- und Packaging-Team.
Vom Test zum Rollout und was am Ende zählt
Eine Eigenmarke sollte nicht mit einem möglichst breiten Sortiment starten, sondern mit einer Kategorie, in der Positionierung, Produktqualität und Verpackung kontrolliert geprüft werden können. Danach folgt ein klarer Fahrplan:
- Pilotkategorie auswählen: Eine erkennbare Sortimentslücke und eine realistische operative Umsetzung verbinden.
- Design im Kontext testen: Regal, Onlineshop, Variantenvergleich und Informationsverständnis gemeinsam prüfen.
- Listung vorbereiten: Spezifikationen, Lieferfähigkeit, Verpackungsdaten und Freigaben sauber dokumentieren.
- Rollout steuern: Abverkauf, Wiederkauf und Regalwirkung als getrennte Signale beobachten.
- Lernen und bereinigen: Schwache Varianten überarbeiten, statt die Range automatisch zu verbreitern.
Der wichtigste Entscheid fällt nicht zwischen Budget, Mittel und Premium. Er fällt zwischen einem verständlichen System und einer überladenen Markenlandschaft. Eine schlanke Architektur erleichtert die Auswahl, während eine konsistente Verpackung die Wiedererkennung über Kategorien hinweg stärkt.
In einem Markt, in dem Eigenmarken mehr als die Hälfte des Werts im Regal stellen, gewinnt nicht zwingend die lauteste Marke. Erfolgreicher ist die Marke, die in Sekunden verstanden wird, Vertrauen aufbaut und ihre Qualitätsstufe ohne Erklärung sichtbar macht.
Echt AG entwickelt Verpackungssysteme und Markendesigns für Konsumgüter auf Basis von Neurowissenschaft und Verhaltenspsychologie, mit Fokus auf Eigenmarken, Regalwirkung und Kaufentscheidung am POS. Wer die eigene Eigenmarke strategisch schärfen und für Regal sowie Onlineshop gestalten lassen möchte, findet bei Echt AG einen passenden Ansprechpartner.