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Markenpositionierung: Konzepte und Frameworks für FMCG

Echt AG Redaktion·
Markenpositionierung: Konzepte und Frameworks für FMCG

Das neue Verpackungsdesign liegt zur Freigabe bereit, doch am Regal und im kleinen Vorschaubild des Onlineshops bleibt unklar, warum jemand genau diese Marke wählen sollte.

Inhaltsverzeichnis

Die Bausteine einer Markenpositionierung auf einen Blick

Eine Kundin steht vor dem Joghurtregal, sucht etwas fürs Frühstück und greift nach einer Packung. Im typischen Einkaufsszenario liest sie weder das Markenleitbild noch die Geschichte der Produktentwicklung. Sie orientiert sich an dem, was sie erkennt, versteht und für passend hält.

Markenpositionierung ist der bewusst gewählte Platz, den eine Marke im Kopf ihrer Zielgruppe gegenüber den Alternativen einnehmen soll. Für Konsumgüter muss dieser Platz in einer konkreten Kaufsituation verständlich werden. Ein abstrakter Wert wie Qualität reicht dafür nicht: Das Team muss festlegen, welche Qualität für wen wichtig ist und woran sie sich erkennen lässt.

Die sechs Bausteine einer Markenpositionierung

Die folgende Arbeitsgrundlage trennt Entscheidungen, die im Designbriefing häufig vermischt werden. Die Beispiele sind hypothetisch und dienen der Übertragung auf ein eigenes Produkt.

Baustein Leitfrage Beispiel im Regal Ergebnis
Zielgruppe Wer kauft, und in welcher Situation? Familieneinkauf am Samstag im Supermarkt Kaufanlass und Käufersegment
Referenzrahmen Mit wem wird die Marke verglichen? Bio-Müesli neben der Eigenmarke des Händlers Set der Vergleichsmarken
Point of Difference Was kann nur diese Marke versprechen? Herkunftsnachweis aus einer Bergregion Einzigartiges Versprechen
Reason to Believe Womit wird das Versprechen belegt? Rezeptur, Zertifikat, Recyclingquote Glaubwürdigkeitsbeleg
Emotionaler Nutzen Wie soll sich der Kauf anfühlen? Ruhe und Genuss beim Frühstück Gefühlsanker für Gestaltung
Tonalität Wie spricht die Marke am Regal und online? Sachlich-warm, kurze Sätze Ausdruck in Text und Bild

Bei der Zielgruppe beginnt die Arbeit mit dem Anlass, nicht mit einer möglichst breiten Altersgruppe. Ein Müesli für ein gemeinsames Familienfrühstück braucht eine andere Nutzenhierarchie als eines für Menschen, die unterwegs essen. Derselbe Mensch kann je nach Situation zu einer anderen Zielgruppe gehören.

Der Referenzrahmen legt fest, welche Alternativen tatsächlich zur Wahl stehen. Ein Bio-Müesli muss zunächst als Müesli erkennbar sein, bevor seine Besonderheit überzeugen kann. Eine Gestaltung, die sämtliche Kategoriecodes vermeidet, erschwert möglicherweise schon diese Einordnung.

Vom Unterschied zum sichtbaren Beleg

Der Point of Difference beschreibt den relevanten Unterschied, der Reason to Believe dessen Begründung. Bei einem Herkunftsversprechen ist die abgebildete Berglandschaft noch kein Nachweis. Erst die nachvollziehbare Herkunft der Zutaten oder eine belegbare Produktionsweise macht daraus eine belastbare Aussage.

Auch ein Zertifikat ist nicht automatisch der entscheidende Kaufgrund. Das Team muss klären, welche Frage es beantwortet: die nach kontrollierter Herstellung, einer bestimmten Produkteigenschaft oder einem Umweltmerkmal. Davon hängt ab, wie prominent es erscheinen sollte.

Arbeitsregel: Ein Versprechen und sein Beleg müssen sich getrennt formulieren lassen, aber gemeinsam verständlich sein.

Der emotionale Nutzen übersetzt die funktionale Leistung in ein gewünschtes Gefühl. Aus einfacher Zubereitung kann Entlastung entstehen, aus nachvollziehbarer Herkunft Sicherheit. Die Tonalität bestimmt anschliessend, wie Text, Bildwelt und Gestaltung dieses Gefühl ausdrücken, ohne es bloss zu behaupten.

Vor dem Designauftrag braucht es deshalb schriftliche Antworten auf alle Bausteine. Fehlt diese Grundlage, kann die Verpackung Genuss versprechen, der Produkttext Leistung betonen und das Sortiment über den Preis argumentieren. Dann fehlen dem Gestaltungsteam keine Ideen, sondern klare Entscheidungen.

Positionierung als Platz im Kopf verstehen

Markenpositionierung lässt sich mit einer Schublade vergleichen: Menschen ordnen eine Marke einer Kategorie und einer Bedeutung zu. Bei einem Müesli könnte diese Schublade vertrautes Familienfrühstück, sportliche Ernährung oder bewusster Genuss heissen. Die Aufgabe besteht nicht darin, möglichst viele Schubladen gleichzeitig zu besetzen.

Angenommen, eine Marke bietet ein Müesli mit nachvollziehbarer regionaler Herkunft an. Auf der Packung dominieren jedoch Trainingsmotive, während der Onlineshop vor allem gemütliche Frühstücksszenen zeigt. Beide Darstellungen können einzeln attraktiv sein, zusammen lassen sie die beabsichtigte Einordnung offen.

Das Bild macht die Schubladen-Analogie anschaulich:

Ein kreatives Bild eines Mannes mit geöffnetem Kopf, in dem ein KIND-Snackriegel in einer Schublade platziert wird.

Erst die Kategorie, dann die Besonderheit

Die Kategorie bestimmt, welche Vergleiche plausibel sind. Eine Schoggi-Marke muss sich gegenüber anderen Schoggi-Angeboten erklären, nicht gegenüber der Haferflocken-Abteilung. Selbst ein ungewöhnliches Produkt braucht einen verständlichen Ausgangspunkt: Was ist es, und wann kommt es infrage?

Zum direkten Vergleich gehört die Handelsmarke. Ihr mengenmässiger Marktanteil in der Schweiz betrug 2025 laut Statista rund 52,3 Prozent. Ein Markenvergleich, der nur andere Herstellermarken berücksichtigt, lässt damit eine wichtige Alternative aus.

Für das Müesli-Beispiel bedeutet das: Regionalität muss mehr leisten als eine schöne Geschichte. Das Team sollte prüfen, ob die Herkunft einen nachvollziehbaren Mehrwert gegenüber der Eigenmarke schafft und ob dieser Unterschied für den Frühstücksanlass relevant ist.

Angebot, Nutzen und Ausdruck auseinanderhalten

Eine klare gedankliche Ordnung entsteht, wenn das Team verschiedene Ebenen nicht miteinander verwechselt:

  • Das Was bezeichnet das Angebot. Beispielsweise ein knuspriges Müesli mit einer bestimmten Rezeptur und nachvollziehbarer Herkunft.
  • Das Warum beschreibt den Nutzen. Etwa ein unkompliziertes Frühstück, bei dem die Herkunft der Zutaten verständlich bleibt. Das ist die Antwort auf die Frage, weshalb das Angebot zur Situation passt.
  • Das Wie macht die Positionierung erlebbar. Dazu gehören Sprache, Bildwelt, Form und wiederkehrende Gestaltungselemente.

Wenn Sicherheit das gewünschte Gefühl ist, sollten Produktinformationen und Darstellung diese Sicherheit unterstützen. Ein nüchterner Herkunftsnachweis und eine warme Frühstücksszene können zusammenpassen. Ein ständig wechselnder Ausdruck erschwert dagegen die Zuordnung.

Auch Bekanntheit schützt nicht automatisch vor Wertverlust: Nestlé blieb im Brand Finance Switzerland 50 von 2024 mit CHF 18,5 Milliarden die wertvollste Schweizer Marke, verlor gegenüber dem Vorjahr aber 13 Prozent, wie der Organisator zum Brand-Finance-Bericht meldete. Daraus lässt sich keine einzelne Ursache ableiten, wohl aber eine Managementaufgabe: Wahrnehmung und Relevanz müssen auch bei etablierten Marken überprüft werden.

Eine brauchbare Positionierung legt ebenso fest, wofür eine Marke nicht stehen soll.

Als Arbeitsdefinition eignet sich deshalb ein Satz mit klaren Grenzen: Für die bezeichnete Zielgruppe in der beschriebenen Kaufsituation ist die Marke eine bestimmte Art von Angebot, die einen relevanten Nutzen bietet und diesen mit einem konkreten Beleg absichert. Ergänzend hält das Team fest, welche Erwartungen die Marke bewusst nicht bedient.

Fünf Positionierungsmodelle und ihre Schwachstellen

Kategorie und Kaufanlass legen fest, welches Positionierungsmodell trägt. Wer laktosefreie Produkte sucht, braucht zunächst eine eindeutige Produkteigenschaft. Wer ein Geschenk auswählt, kann stärker auf Herkunft, Genuss oder eine passende Gefühlswelt achten.

Die Modelle unterscheiden sich vor allem darin, welches Argument die Auswahl anführen soll. Sie sind verschiedene Ausgangspunkte für strategische Entscheidungen.

Ein Modell funktioniert wie der erste Satz eines Verkaufsgesprächs: Es bestimmt, womit die Marke eröffnet und worauf alles Weitere aufbaut. Dieser erste Satz muss zweimal bestehen, auf der Packung im Regal und in der Produktdarstellung des Onlineshops.

Positionierungsmodelle im Vergleich

Modell Kernfrage Typisches FMCG-Beispiel Hauptrisiko
Eigenschaftsbasiert Welche Produktmerkmale stehen im Vordergrund? Glutenfrei, laktosefrei Austauschbar, sobald die Konkurrenz nachzieht
Nutzenbasiert Welches Problem löst das Produkt zuverlässig? Schnelle Energie vor dem Training Nutzen muss im Alltag messbar bleiben
Emotionsbasiert Welches Gefühl soll der Kauf auslösen? Geborgenheit beim Frühstück Schwer messbar ohne Tests
Herkunftsbasiert Welche Region oder Tradition trägt das Versprechen? Swissness, Alpenmilch Herkunft muss konkret belegt werden
Wertebasiert Wofür steht die Marke über das Produkt hinaus? Nachhaltigkeit, Fairness Greenwashing-Verdacht bei fehlenden Belegen

Eigenschaften schaffen Klarheit. Eine laktosefreie Milch grenzt ab, solange sie allein steht. Ziehen vergleichbare Produkte nach, wird das Merkmal zur Eintrittsbedingung der Kategorie, und die Auswahl fällt über Preis oder Gewohnheit. Wer sich auf ein Merkmal stützt, braucht deshalb einen zweiten relevanten Auswahlgrund.

Eine Nutzenpositionierung verbindet das Produkt mit einer Aufgabe. Das Versprechen «schnelle Energie vor dem Training» ist eine Prüfansage: Die Kundschaft darf genau diese Leistung erwarten, unter den beschriebenen Bedingungen und mit einem passenden Beleg. Kann das Produkt den Nutzen im Alltag nicht nachweisen, bricht die Positionierung am eigenen Anspruch. Bei Lebensmitteln oder Pflegeprodukten sollte kein stärkerer Wirkungsanspruch entstehen, als sachlich abgesichert werden kann.

Emotionale Positionierungen brauchen ebenfalls Überprüfung. Ein Team kann eine Gestaltung als geborgen empfinden, während die Zielgruppe sie altmodisch liest. Der Test sollte deshalb messen, welche Bedeutung tatsächlich ankommt, statt nur Gefallen abzufragen.

Herkunft als Vorteil mit klarer Rangfolge

Im Anholt-Ipsos Nation Brands Index 2023 belegte die Schweiz Rang 7 von 60 Ländern, war damit der bestplatzierte Kleinstaat und erreichte beim Vertrauen in im Land hergestellte Produkte Rang 4. Diese Wahrnehmung kann ein Qualitätsversprechen unterstützen. Die Leistung eines einzelnen Produkts bestätigt sie nicht von selbst.

Der Belegbarkeitstest zeigt die Schwachstelle. Bei einer Alpenmilch-Positionierung muss klar sein, worauf sich die Herkunft bezieht: die Milch, die Verarbeitung oder der Unternehmenssitz. Liegt nur der Sitz in der Region, während Rohware und Verarbeitung anderswo entstehen, trägt das Alpenversprechen die Erwartung der Kundschaft nicht mehr. Eine unscharfe Aussage lässt Interpretationen zu, die das Unternehmen möglicherweise nicht belegen kann.

Wertebasierte Positionierungen verlangen dieselbe Disziplin. Fairness oder Nachhaltigkeit müssen sich in überprüfbare Entscheidungen übersetzen lassen. Sucht die Kundschaft auf der Verpackung oder der Produktdetailseite nach dem Beleg und findet keinen, kippt das Versprechen in den Greenwashing-Verdacht. Ein Wert ohne erkennbare Konsequenz bleibt austauschbar.

Die Kombination eines führenden und eines unterstützenden Modells ist oft eine zweckmässige Lösung, etwa Herkunft plus alltagsnaher Nutzen. Entscheidend ist eine klare Rangfolge statt einer Ansammlung gleich wichtiger Botschaften.

  • Wettbewerbsfestigkeit: Welches Versprechen kann eine direkte Alternative nicht einfach übernehmen?
  • Belegbarkeit: Welche Aussage lässt sich anhand des Produkts oder seiner Herstellung nachvollziehen?
  • Kaufrelevanz: Welches Argument passt zur konkreten Situation am Regal?

Wie Verpackung Positionierung am Regal und online trägt

Im Regal wirken Beleuchtung, Nachbarprodukte und das Material der Packung zusammen. Im Onlineshop erscheint dasselbe Produkt zunächst als kleines Vorschaubild; Produkttext und Bewertungen ergänzen später die Wahrnehmung. Eine für die Hand entwickelte Verpackung ist deshalb noch keine überzeugende digitale Produktdarstellung.

Der Schweizer Onlinehandel wuchs 2025 laut Handelsverband.swiss um 6 Prozent auf CHF 15,8 Milliarden; laut dem dort angeführten Schweizer E-Shopper Barometer 2025 kaufen zudem rund 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung online ein. Die Zahlen beziehen sich auf den Onlinehandel insgesamt, verdeutlichen aber, weshalb Markenteams den digitalen Produktkontakt nicht als nachträgliche Bildaufgabe behandeln sollten.

Die Gegenüberstellung zeigt die unterschiedlichen Wahrnehmungsbedingungen:

Ein Regal mit Kosmetikprodukten neben einem Laptop, der ein Online-Sortiment derselben Hautpflegeprodukte auf dem Bildschirm anzeigt.

Kontaktbedingungen von Regal und Onlineshop

Merkmal Regal Onlineshop Folge für die Positionierung
Aufmerksamkeit Sekundenbruchteile neben Nachbarprodukten Vorschaubild im Suchresultat neben vielen Alternativen Farbe, Form und Schriftzug müssen in beiden Fällen sofort greifen
Informationsaufnahme Vorderseite und Material in der Hand Produktdetailseite, Bewertungen, kurzer Text Nutzen muss ohne Dekodieraufwand verständlich sein
Umfeld Licht, Nachbarprodukte, Regalkante Feed, Suchkontext, Konkurrenzbilder Packshot-Test in realistischen Grössen

Die passende Lösung ist ein adaptives Erkennungssystem. Markenanker wie Farbverteilung, Form, Logo-Position und Schriftzug bleiben zuordenbar, während Beleuchtung, Bildausschnitt und ergänzende Informationen an den Kontaktpunkt angepasst werden.

Ein hypothetisches Pflegeprodukt zeigt den Unterschied: Seine matte Oberfläche kann am Regal Natürlichkeit vermitteln, im digitalen Bild aber grau erscheinen. Die Lösung ist nicht automatisch eine glänzende Verpackung, sondern zunächst eine Produktfotografie, die Kontur, Farbe und Materialcharakter verständlich wiedergibt. Vertiefend helfen die psychologischen Wirkprinzipien von Verpackungen, Gestaltung und beabsichtigte Wahrnehmung auseinanderzuhalten.

Erkennen, verstehen und auswählen getrennt testen

Sichtbare Information löst nicht automatisch eine Auswahl aus: Je nach Produktkategorie und Kennzeichnungssystem berichteten 58,1 bis 71,0 Prozent der Befragten, dass ein Front-of-Pack-Logo ihre Wahl nicht beeinflusst habe, wie die Synthese zum Nutri-Score in der Schweizer Zeitschrift für Ernährungsmedizin darlegt.

Für die Prüfung empfiehlt sich eine feste Reihenfolge:

  1. Marke erkennen: Regal-Simulation und Suchresultat zeigen, ob die Marke unter realistischen Bedingungen identifiziert wird.
  2. Nutzen verstehen: Die Testpersonen beschreiben ohne vorgegebene Antwortoptionen, wofür das Produkt steht.
  3. Informationshierarchie prüfen: Kennzeichnungen dürfen das führende Versprechen nicht verdecken oder eine widersprüchliche Einordnung auslösen.

Auch kategoriespezifische Kaufhinweise gehören zur digitalen Orientierung. Ein Beispiel für ein solches Informationsformat sind die Hinweise zum Snuskauf bei SnusAustria, die einen konkreten Online-Kaufkontext adressieren; sie sind kein Wirkungsnachweis für Verpackungsdesign.

Die Auswahlwirkung sollte mit A/B-Tests oder Choice-Experimenten in Schweizer Zielgruppen geprüft werden. Dafür braucht es realistische Packshot-Grössen, plausible Alternativen und sprachregional passende Texte. Gefallenswerte allein beantworten nicht, welches Produkt tatsächlich gewählt wird.

Glaubwürdigkeit statt Nachhaltigkeitsversprechen

Eine Dose mit grossem Nachhaltigkeitsschriftzug steht im Regal und wirkt auf zwei Meter Distanz überzeugend. Im Online-Shop zeigt der zoomenbare Packshot dieselbe Ware mit Folienbeschichtung und Mehrfachkarton. Die mentale Position einer Marke muss an beiden Orten gleichzeitig halten: am Regal in Sekunden und im Shop bei genauem Hinsehen.

Glaubwürdigkeit entsteht aus der Übereinstimmung zwischen Aussage, sichtbarer Lösung und nachvollziehbarer Wirkung. Wer wenig Material erwartet und eine aufwendig verpackte Ware sieht, nimmt die grüne Bildwelt als Widerspruch wahr, egal wie sauber die Formulierung ist.

Die Schweizer Erhebungen zu Verpackung und Kaufverhalten beleuchten unterschiedliche Seiten dieses Spannungsfelds. Jede Kennzahl beantwortet eine eigene Frage.

Zielkonflikt Nachhaltigkeit und Verpackung in Zahlen

Kennzahl Wert
Nachfrageverlust nachhaltigeres Produkt in Verpackung minus 16 %, in einer repräsentativen Schweizer Online-Untersuchung mit mehr als 1'500 Personen, dokumentiert im Bericht zu Ernährung und Nachhaltigkeit in der Schweiz
Nachfrageverlust weniger nachhaltiges Produkt in Verpackung minus 11 %, in derselben Untersuchung
Wahl nachhaltigerer Produkte im Vergleich rund 41 %, in der Vergleichssituation des oben verlinkten BAFU-Berichts
Verpackung mindestens ziemlich wichtig gut 40 %, laut der Univerre-Verpackungsstudie vom Herbst 2025 mit rund 1'000 Personen zwischen 25 und 55 Jahren aus Deutschschweiz und Romandie; Umweltaspekte standen dort mit 36 % vor Handhabung, Design und Form

Der Nachfrageverlust im Verpackungsexperiment veranschaulicht kognitive Dissonanz: Das Produkt gilt als nachhaltig, die Verpackung als ökologischer Widerspruch. Die Situation funktioniert wie eine Zeugenaussage vor Gericht, bei der Wortlaut und Aktenlage auseinanderlaufen. Das Experiment belegt dabei nicht, dass jede Verpackung schadet. Es zeigt, weshalb ein Nachhaltigkeitsvorteil immer zusammen mit seiner Hülle bewertet wird.

Auch die erklärte Zahlungsbereitschaft in solchen Studien ist keine Garantie für einen durchsetzbaren Preisaufschlag. Produktkategorie, konkrete Alternative und wahrgenommener Vorteil müssen im eigenen Kaufkontext geprüft werden.

Glaubwürdigkeitsprüfung: Die stärkere Aussage ist die, deren Bedeutung und Grenze verständlich bleiben.

Vorderseite, digitale Vertiefung oder streichen

Die Informationsentscheidung beginnt beim tatsächlichen Vorteil. Materialreduktion, Rezyklatanteil und Recyclingfähigkeit sind unterschiedliche Sachverhalte und dürfen sprachlich nicht ineinander übergehen. Dieselbe Position wird an zwei Orten mit unterschiedlicher Zeit und Aufmerksamkeit gelesen.

  • Auf die Vorderseite gehört ein relevanter, belegbarer Vorteil, der in der Sekunde am Regal ohne lange Erklärung verständlich bleibt. Ein Materialvergleich braucht beispielsweise einen klar bezeichneten Bezug.
  • In digitale Produktinformationen gehören Berechnungsgrundlagen, Materialdetails und Erläuterungen zum passenden Entsorgungsweg. Hier hat die Kundschaft Zeit zu prüfen, und regional unterschiedliche Bedingungen müssen erkennbar berücksichtigt werden.
  • Gestrichen werden sollten pauschale Aussagen ohne belastbaren Nachweis sowie Formulierungen, die einen begrenzten Vorteil auf das gesamte Produkt übertragen.

Bei einem hypothetischen Müesli kann ein reduzierter Beutel mit zutreffendem Entsorgungshinweis mehr erklären als eine Dose mit allgemeinem Nachhaltigkeitsschriftzug. Daraus folgt keine pauschale ökologische Rangfolge der Materialien: Schutzfunktion, Nutzung und tatsächlicher Entsorgungsweg bleiben entscheidend.

Die praktische Prüfung auf Greenwashing beginnt deshalb bei drei Fragen: Was genau wird behauptet, welcher Nachweis liegt vor, und könnte die Kundschaft daraus eine weitergehende Wirkung ableiten.

Die Positionierung vor dem nächsten Relaunch prüfen

Ein Relaunch beginnt mit einer Diagnose des Ist-Zustands. Wenn der relevante Unterschied unklar ist, löst eine neue Farbe das strategische Problem nicht. Ist die Positionierung dagegen belastbar, genügt oft schon eine veränderte Informationshierarchie.

Das Team legt dafür die aktuelle Packung, den digitalen Packshot, den Produkttext und die direkten Alternativen nebeneinander. Beide Präsentationen gehören zusammen geprüft, denn die Position im Kopf muss am Regal und im Onlineshop dieselbe bleiben. Offene Entscheidungen werden markiert, bevor die Gestaltung beginnt. Wer sie erst während des Entwurfs klärt, verlagert Strategiefragen stillschweigend an die Designerinnen und Designer.

Die Checkliste vor dem Designbriefing

  1. Welcher Baustein ist schwach, und wer entscheidet darüber? Die Bausteinprüfung liefert die Befunde; neu kommt die Verantwortlichkeit hinzu. Jeder ungeklärte Punkt braucht eine zuständige Person und einen Entscheidungstermin, sonst wird aus einer Strategiefrage stillschweigend ein kreativer Freiraum.

  2. Ist das Versprechen gegenüber dem direkten Referenzrahmen unterscheidbar? Die Handelsmarke gehört ausdrücklich in den Vergleich. Intern verwendete Begriffe zählen wenig; massgebend ist, ob Käuferinnen und Käufer einen relevanten Unterschied verstehen.

  3. Welche Konsequenz folgt aus dem Erkennbarkeitstest? Die Prüfung aus Regaldistanz und in Vorschaugrösse ist Voraussetzung. Hier geht es um den Auftrag: Aus den getrennt protokollierten Befunden zu Erkennung und Nutzenkommunikation wird festgelegt, welche Merkmale erhalten bleiben und welche überarbeitet werden.

  4. Ist jede Nachhaltigkeits- oder Herkunftsaussage belegbar und richtig platziert? Für jede Aussage wird festgehalten, ob sie auf die Vorderseite, in digitale Produktinformationen oder gar nicht in die Kommunikation gehört.

  5. Wurde die Wirkung mit Schweizer Zielgruppen getestet? Interne Zustimmung ersetzt keine Prüfung mit potenziellen Käuferinnen und Käufern. Geeignete Consumer Insights helfen, Motive und Verständnisprobleme vor der endgültigen Freigabe zu erfassen.

Aus Antworten einen verbindlichen Auftrag machen

Aus der Checkliste entsteht ein schriftliches Briefing mit führendem Versprechen, Belegen, Gestaltungsgrenzen und Prüfverfahren. Es hält ebenso fest, was unverändert bleiben muss. So entfernt ein Relaunch vertraute Erkennungsmerkmale nur bei sachlichem Grund.

Echt AG beginnt ihren Prozess mit einem Gespräch über Visionen, Märkte, Marken und Beziehungen, um zu klären, wie Verpackung oder Marke präziser wirken können. Das Unternehmen beschreibt das Regal als sekundenlangen Kampf um Aufmerksamkeit und vertritt den Ansatz, dass Verpackung verkauft, bevor Kundinnen und Kunden nachdenken.

Für das verantwortliche Markenteam ergibt sich daraus eine sinnvolle Reihenfolge: Die Positionierung wird schriftlich festgehalten, die Gestaltung daran gemessen und der Relaunch erst nach dem Zielgruppentest freigegeben. Jede spätere Designentscheidung bleibt so an einer überprüfbaren Grundlage messbar.


Echt AG in St. Gallen entwickelt Markenpositionierungen, Verpackungssysteme und Markendesigns für Konsumgüter auf Basis von Neurowissenschaft und Verhaltenspsychologie. Für einen bevorstehenden Relaunch bietet sich ein Gespräch anhand der aktuellen Packung, ihrer Online-Darstellung und der direkten Vergleichsprodukte an. Über Echt AG lässt sich der Austausch zur präziseren Positionierung am Regal und im Onlineshop anstossen.