Markenwahrnehmung: Messmethoden und Wirkung der Verpackung

Vor dem Joghurtregal wirkt ein Becher sofort glaubwürdiger als die anderen, doch ob dieser Eindruck auch zum Kauf führt, hängt nicht allein von der Verpackung ab.
Inhaltsverzeichnis
- Was Markenwahrnehmung im Kopf der Kundschaft bedeutet
- Messmethoden für Markenwahrnehmung im Vergleich
- Wie Verpackung in Sekunden Vertrauen aufbaut
- Gestaltungsfaktoren, die Wahrnehmung verschieben
- Wirkung auf Wahrnehmung und Kauf
- Wie der Kontext die Gewichtung verändert
- Wahrnehmung zuerst messen
Was Markenwahrnehmung im Kopf der Kundschaft bedeutet
Drei Joghurts stehen nebeneinander. Einer trägt ein zurückhaltendes Etikett mit gut lesbarer Herkunftsangabe, ein anderer zeigt grossflächige Früchte, der dritte hebt den günstigen Preis hervor. Noch bevor jemand den Inhalt probiert hat, entstehen Erwartungen an Geschmack, Qualität und Verlässlichkeit.
Markenwahrnehmung bezeichnet dieses Bild im Kopf der Kundschaft. Es umfasst nicht nur sichtbare Eigenschaften, sondern auch Erinnerungen, Gefühle und Vorstellungen davon, wofür eine Marke steht. Ähnlich wie beim ersten Eindruck von einem Menschen reicht ein einzelnes Merkmal nicht aus, um das Ganze zuverlässig zu beurteilen.

Wissen, Gefühl und Verhalten unterscheiden
Das Beispiel lässt sich auf unterschiedliche Ebenen aufteilen:
- Kognitiv: Eine Kundin weiss, woher die Milch stammt, oder erinnert sich an frühere Produktkäufe.
- Emotional: Sie verbindet die Gestaltung mit Sorgfalt, Vertrautheit oder einer bestimmten Haltung.
- Verhaltensnah: Sie nimmt den Becher in die Hand, vergleicht den Preis oder entscheidet sich für eine Alternative.
Diese Ebenen müssen nicht übereinstimmen. Eine Marke kann bekannt sein, ohne vertrauenswürdig zu wirken. Umgekehrt kann eine bislang unbekannte Marke einen plausiblen Eindruck vermitteln, obwohl persönliche Erfahrungen fehlen.
Wie relevant Vertrauen sein kann, zeigt die repräsentative Trusted-Brands-Erhebung von 2017: Unter 2'308 Befragten in der Schweiz bezeichneten 73 Prozent Markenvertrauen als relevant für die Kaufentscheidung; die Erhebung wird seit 2001 jährlich durchgeführt. Die ältere Ausgabe liefert einen historischen Bezugspunkt, während die Ausgabe von 2025 einen jüngeren Stand des Markenvertrauens abbildet. Aus der damaligen Selbstauskunft lässt sich allerdings kein heutiger Verpackungseffekt ableiten.
Entscheidend ist die Unterscheidung: Bekanntheit beschreibt, ob Menschen eine Marke kennen, Vertrauen beschreibt, was sie ihr zutrauen.
Im Onlinehandel kommt eine weitere Ebene hinzu: die rechtmässige Verwendung von Markenkennzeichen. Für Händler bietet der Beitrag von EZFOX AI zum Thema Markenrechte beim eBay-Dropshipping beachten eine ergänzende Orientierung, beantwortet jedoch keine Fragen zur psychologischen Wirkung einer Verpackung.
Wissen, Gefühl und Verhalten bilden damit ein brauchbares Raster. Wer Markenwahrnehmung untersuchen möchte, muss festlegen, welche dieser Ebenen gemeint ist.
Messmethoden für Markenwahrnehmung im Vergleich
| Methode | Was sie erfasst | Stärke | Grenze |
|---|---|---|---|
| Ungestützte Markennennung | Spontane Erinnerung, etwa die zuerst genannte Marke | Zeigt mentale Verfügbarkeit | Erklärt die Gründe nicht |
| Gestützte Bekanntheit | Wiedererkennen aus einer Markenliste | Schnell und günstig | Überschätzt die Wirkung von Bekanntheit, wenn sie als Kaufpräferenz gelesen wird |
| Brand-Tracking-Befragung | Vertrauen, Sympathie und Kaufabsicht über die Zeit | Langzeitvergleich über Jahre | Einzelne Messwellen zeigen keine Ursachen |
| BrandAsset Valuator | Differenzierung, Relevanz, Wertschätzung und Vertrautheit | Breiter Markenvergleich | Kein Blick auf einzelne Verpackungssignale |
| Semantisches Differenzial | Assoziationen auf Gegensatzpaaren wie hochwertig und billig | Präzise Beschreibung der Tonalität | Stark abhängig von der Formulierung |
| Implizite Reaktionszeit-Tests | Automatische Assoziationen zu Marken und Reizen | Umgeht direkte Selbstauskunft | Aufwändig und auswertungsintensiv |
| Eye-Tracking am Regal | Blickverlauf und Verweildauer | Zeigt visuelle Aufmerksamkeit und den Stop-Effekt | Labor und Realität weichen ab |
| Blindtest mit Packungen | Zuschreibung von Qualität und Geschmack ohne sichtbares Markenlogo | Kann Verpackungs- und Produkteinflüsse auseinanderhalten | Stichprobe und Setting bleiben künstlich |
Eine einzelne Kennzahl kann Markenwahrnehmung nicht vollständig erfassen. Die Verfahren untersuchen verschiedene Glieder einer Kette: Erinnerung, Bewertung, visuelle Aufmerksamkeit und anschliessende Auswahl. Für die Frage, ob eine Packung im Regal in Sekunden bemerkt wird, liefert ein anderes Instrument eine Antwort als für die Frage, ob eine Marke über Jahre Vertrauen aufgebaut hat. Der Nutzen hängt deshalb davon ab, welche Entscheidung ein Markenteam treffen muss.
Welche Methode welche Frage beantwortet
Die ungestützte Nennung zeigt, welche Marke ohne Hinweis einfällt, sagt aber wenig über die dahinterliegenden Erfahrungen. Gestützte Bekanntheit erfasst auch schwächere Erinnerungsspuren, kann durch die vorgelegte Liste jedoch ein Wiedererkennen auslösen, das beim Einkauf nicht ausschlaggebend wäre.
Eine Brand-Tracking-Befragung macht Veränderungen sichtbar, sofern Fragen, Zielgruppen und Erhebungsbedingungen vergleichbar bleiben. Sie erklärt allein nicht, ob eine Veränderung durch Werbung, Produktqualität, Preis oder Verpackung entstanden ist.
Der Bericht von 20 Minuten zum BrandAsset Valuator 2025 beschreibt eine Untersuchung von 600 Marken anhand der Antworten von 9'600 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren aus der Deutsch- und Westschweiz. Ein solcher Vergleich hilft bei der strategischen Einordnung, isoliert aber nicht die Wirkung einer Schriftgrösse oder eines Herkunftshinweises.
Beim semantischen Differenzial bewerten Teilnehmende eine Marke zwischen gegensätzlichen Begriffen. Das ergibt ein differenziertes Profil, sofern die Wortpaare verständlich sind und nicht mehrere Eigenschaften vermischen.
Implizite Reaktionszeit-Tests untersuchen, wie schnell Menschen Marken und Begriffe zuordnen. Die Ergebnisse können automatische Verknüpfungen erschliessen, sind aber kein unmittelbarer Zugang zu sämtlichen unbewussten Kaufmotiven.
Beobachtung ist noch keine Kaufentscheidung
Eye-Tracking zeigt, wohin jemand schaut, nicht automatisch, ob die betrachtete Stelle überzeugt. Eine lange Betrachtung kann Interesse bedeuten, aber auch Verständnisschwierigkeiten.
Beim Blindtest mit Packungen ist die Versuchsanordnung entscheidend. Bleibt die Verpackung sichtbar und fehlt nur das Logo, wird nicht der gesamte Markeneinfluss ausgeschaltet, denn Farben und Formen können weiterhin bekannt sein. Für eine saubere Trennung braucht es zusätzlich eine neutral präsentierte Produktprobe und kontrollierte Vergleichsbedingungen.
Ein Blick ist keine Zustimmung, eine Kaufabsicht kein Kauf und eine spontane Nennung kein Beweis für Vertrauen.
Für belastbare Consumer Insights sollten Befragungen deshalb mit beobachteten Auswahlaufgaben verbunden werden. Geht es um einen Verpackungsrelaunch, ist die Kombination aus Markenbild, Regalaufgabe und Produktbewertung aussagekräftiger als eine isolierte Gefallensfrage.
Wie Verpackung in Sekunden Vertrauen aufbaut
Am Regal fällt die erste Auswahl in ein enges Zeitfenster. Echt beschreibt den Wettbewerb um Aufmerksamkeit als Sekundenkampf: Die Packung wirkt, bevor Kundinnen und Kunden bewusst nachdenken. Eine Schweizer Analyse von Echt zur Kaufentscheidung am Regal zeigt diesen Ablauf als Kette aus Bemerken, Einordnen und Prüfen. Entscheidend ist die Reihenfolge, nicht eine exakte Stoppuhr.
Zuerst muss eine Person das Produkt bemerken. Erst dann kann sie dessen Versprechen prüfen. Diese Kette verbindet den schnellen ersten Blick mit dem langsamer aufgebauten Vertrauen in eine Marke.

Erst entdecken, dann einordnen
Bei einem Regal mit Proteinpulver können ähnlich geformte Dosen dicht nebeneinanderstehen. Eine gut erkennbare Fläche oder eine ungewöhnliche Anordnung kann den Blick auf eine Packung lenken. Für die anschliessende Einordnung muss jedoch erkennbar werden, um welches Produkt es sich handelt und für wen es gedacht ist.
Dabei sind unterschiedliche Aufgaben zu lösen:
- Entdecken: Die Packung muss sich unter den konkreten Nachbarprodukten erkennen lassen.
- Zuordnen: Produktart, Marke und Variante sollten ohne aufwändige Suche verständlich sein.
- Prüfen: Wer näher hinschaut, braucht relevante Informationen zu Nutzen, Inhalt oder Herkunft.
Der Stop-Effekt öffnet den Zugang zum Angebot. Eine auffällige Packung allein erklärt aber noch nicht, ob das Produkt das Gesuchte enthält oder ob sein Versprechen trägt. Ebenso wenig ersetzt Aufmerksamkeit ein nachvollziehbares Produktversprechen.
Auffälligkeit und Glaubwürdigkeit getrennt prüfen
Ein grelles Proteinprodukt könnte im Regal auffallen und dennoch medizinisch wirken, obwohl es als alltägliches Lebensmittel gedacht ist. Ein zurückhaltender Entwurf könnte glaubwürdig erscheinen, zwischen ähnlichen Packungen aber kaum erkennbar sein. Beide Varianten hätten ein anderes Problem.
Darum sollte ein Regaltest nicht nur fragen, welche Packung gefällt. Teilnehmende können ein bestimmtes Produkt suchen, eine Variante auswählen und anschliessend erläutern, was sie davon erwarten. So lässt sich unterscheiden, ob Aufmerksamkeit, Verständnis oder Glaubwürdigkeit fehlen.
Verpackung kann Vertrauen vorbereiten, aber keine Produkterfahrung ersetzen. Wer von einer sorgfältig gestalteten Packung hohe Qualität erwartet und später enttäuscht wird, hat einen konkreten Anlass, das Markenbild zu korrigieren. Eine kurzfristig erfolgreiche Gestaltung ist deshalb nicht automatisch langfristig tragfähig.
Für das Verpackungsdesign von Konsumgütern folgt daraus eine nüchterne Aufgabe: Der erste Eindruck soll den Zugang zum Produkt erleichtern und eine Erwartung erzeugen, die der Inhalt erfüllen kann. Die eigentliche Bewährungsprobe findet nach der Auswahl statt.
Gestaltungsfaktoren, die Wahrnehmung verschieben
Über 40 Prozent stuften Verpackung als mindestens ziemlich wichtig für die Kaufentscheidung ein, während rund 20 Prozent ihr keine Bedeutung beimassen, berichtet die Auswertung einer Schweizer Erhebung von Univerre Pro Uva aus dem Jahr 2025 mit rund 1'000 Befragten aus Deutschschweiz und Romandie; mindestens die Hälfte verband Verpackungsdesign zudem mit der wahrgenommenen Produktqualität. Die unterschiedlichen Antworten sprechen gegen die Annahme, Verpackung sei für sämtliche Käuferinnen und Käufer gleich bedeutsam.
Aus dem Zusammenhang folgt auch nicht, dass eine bestimmte Oberfläche grundsätzlich hochwertiger wirkt. Entscheidend ist, ob Kundinnen und Kunden die Gestaltung im jeweiligen Produktumfeld entsprechend lesen.
Gestaltungselemente im Zusammenspiel
Farbe und Kontrast: Bei einer gekühlten Kräutersauce kann Grün die pflanzlichen Zutaten hervorheben. Besteht das gesamte Nachbarregal aus grünen Packungen, braucht es zusätzlich eine eigenständige Flächenaufteilung oder einen gut erkennbaren Markencode.
Materialanmutung: Eine dunkle, matte Oberfläche kann bei einer Spezialität hochwertig erscheinen. Bei einem Produkt, dessen Frische sichtbar sein soll, könnte dagegen ein transparentes Fenster die passendere Information liefern. Matt ist deshalb kein allgemeines Synonym für Premium.
Typografie und Lesbarkeit: Ein dekorativer Schriftzug kann Eigenständigkeit vermitteln. Wenn dadurch bei einem Fruchtaufstrich die Sorte schwer lesbar wird, erschwert derselbe Entwurf die Auswahl. Markenname und Produktinformation erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Informationshierarchie: Bei einer Suppe sollten Produktart und Geschmacksrichtung rasch unterscheidbar sein. Ein gross gesetztes Zusatzversprechen hilft wenig, wenn die Kundschaft erst auf der Rückseite erfährt, welche Suppe sie vor sich hat.
Herkunftshinweise: Eine konkrete, belegbare Herkunftsangabe bietet eine andere Orientierung als eine dekorative Landschaft. Die Gestaltung sollte klarstellen, ob sich die Herkunft auf Zutaten, Verarbeitung oder den Unternehmenssitz bezieht.
Systemlogik einer Produktlinie: Gleichbleibende Positionen für Marke, Sorte und Anwendung erleichtern den Vergleich innerhalb eines Sortiments. Varianten benötigen trotzdem erkennbare Unterschiede, damit Zugehörigkeit nicht in Verwechslung übergeht.
Bei der physischen Gestaltung von Verpackungen gehören Handhabung und Erscheinungsbild zusammen. Ein Verschluss, eine Prägung oder ein Sichtfenster sollte deshalb nicht nur als grafischer Effekt beurteilt werden, sondern im Umgang mit dem tatsächlichen Produkt.
Häufige Fehlannahmen
Mehr Gestaltung bedeutet nicht mehr Orientierung. Zusätzliche Siegel, Bildwelten und Schriftstile können miteinander konkurrieren. Ein Entwurf sollte daher auch ohne jene Elemente geprüft werden, die nicht unmittelbar zur Auswahl beitragen.
Ein Nachhaltigkeitssymbol erklärt noch keine Umweltleistung. Ohne verständlichen Bezug bleibt offen, ob es um Material, Herstellung oder Entsorgung geht. Ebenso wenig belegt ein naturfarbener Karton allein eine ökologische Verbesserung.
Gestaltungsregel: Ein Qualitätsversprechen wirkt plausibel, wenn Material, Lesbarkeit, Bildsprache und Produktinformation zueinander passen.
Eine Premiumbotschaft mit unsauberem Druck oder schwer lesbaren Angaben erzeugt widersprüchliche Eindrücke. Qualität sollte deshalb nicht an einem isolierten Gestaltungseffekt festgemacht werden, sondern an der Übereinstimmung der gesamten Ausführung.
Wirkung auf Wahrnehmung und Kauf
Im Regal steht ein Müesli mit dem Aufdruck «weniger Verpackung». Eine Kundin nimmt die Packung in die Hand, findet die Idee sympathisch und stellt sie zurück, weil das Müesli daneben günstiger ist. Ein anderes Mal bleibt der Hinweis unklar, und dieselbe Person greift zur vertrauten Marke. Beide Reaktionen sind plausibel. Sie zeigen, dass eine positive Wahrnehmung nicht automatisch einen Kauf auslöst.
In einer Schweizer Erhebung zur nachhaltigen Verpackung gaben 63 Prozent an, nachhaltige Verpackung mit einer positiveren Markenwahrnehmung zu verbinden. Der Befund beschreibt eine Bewertung, nicht die Entscheidung an der Kasse. Für die Wirkung auf den Kauf müssen drei Grössen getrennt betrachtet werden: die wahrgenommene Nachhaltigkeit, die Verständlichkeit der Aussage und die Zahlungsbereitschaft im direkten Vergleich.
Ein sympathisches Signal reicht nicht immer
Wer eine Packung nur sympathisch findet, hat noch keine Auswahl getroffen. Eine Kundin kann die Materialeinsparung begrüssen und trotzdem die günstigere Alternative wählen. Eine andere versteht nicht, worauf sich die Einsparung bezieht, und lässt den Hinweis bei der Entscheidung unberücksichtigt. Entscheidend ist, ob die Aussage in einer realen Auswahl mit Preisen, Alternativen und Zeitdruck bestehen kann.
Zur Prüfung eignen sich konkrete Fragen:
- Lesbarkeit: Können Teilnehmende die wesentliche Aussage nach einer kurzen Betrachtung in eigenen Worten wiedergeben?
- Belegbarkeit: Ist klar, welche Eigenschaft verbessert wurde und worauf sich der Vergleich bezieht?
- Kaufrelevanz: Verändert die Information die Auswahl bei sichtbaren Preisen oder lediglich die Bewertung der Marke?
Eine Vorderseite muss nicht sämtliche technischen Einzelheiten enthalten. Sie sollte aber eine zutreffende Kernaussage bieten, deren Erläuterung auf der Rückseite nachvollziehbar bleibt. Digitale Zusatzinformationen können vertiefen, sollten grundlegende Unklarheiten jedoch nicht bloss auslagern.
Wo die Aussagekraft endet
Ohne getrennte Auswertung nach Kategorie, Sprachregion, Preisniveau und Format bleibt unklar, welche Botschaft für welche Zielgruppe am besten verständlich ist. Auch aus einer positiven Markenbewertung lässt sich kein bestimmter Absatz ableiten. Die Verpackung wirkt am Regal zuerst über den Blick, im Preisvergleich dann über die Glaubwürdigkeit des Versprechens. Ob daraus ein Kauf entsteht, muss eine Auswahlaufgabe zeigen.
Wie der Kontext die Gewichtung verändert
Preisorientierung und Markentreue schliessen sich nicht aus. In einer 2016 veröffentlichten Schweizer Untersuchung mit rund 1'600 Befragten achteten 57 Prozent beim Einkauf primär auf den Preis, in der Westschweiz 68 Prozent; zugleich hielten 54 Prozent einen höheren Preis für ein Markenprodukt bei verfügbarer günstigerer Alternative für unnötig, während rund 57 Prozent bei bestimmten Produkten ausschliesslich eine bestimmte Marke kauften und 30 Prozent Markenware wegen erwarteter hoher Qualität wählten.
Die Untersuchung ist älter und beschreibt keine aktuelle Verteilung der Schweizer Kaufmotive. Als historischer Befund verdeutlicht sie jedoch, warum pauschale Aussagen über preisbewusste oder markentreue Menschen zu kurz greifen. Dieselbe Person kann bei Küchenpapier sparen und beim Kaffee an ihrer bevorzugten Marke festhalten.
| Kontext | Dominierender Treiber | Aufgabe der Verpackung |
|---|---|---|
| Alltagsprodukt mit Preisfokus | Preis und wahrgenommener Gegenwert | Preisnutzen klar zeigen, ohne Qualität zu verschenken |
| Kategorie mit Markentreue | Gewohnheit und Vertrauen in eine bestimmte Marke | Vertraute Codes erhalten |
| Qualitätskauf | Erwartete Produktqualität | Materialität, Hierarchie und Ordnung stimmig einsetzen |
| Private Label | Zusammenspiel aus Handelsmarkenzugehörigkeit und Preis-Leistung | Designsystem mit klarem Qualitätssignal aufbauen |
| Online-Feed | Bild, Glaubwürdigkeit und Position im Feed statt Haptik | Auch im kleinen Format eindeutig erkennbar bleiben |
Handelsmarken brauchen eine eigene Logik
Nach dem europäischen Ländervergleich von PLMA International erreicht Private Label in der Schweiz einen Anteil von 52,3 Prozent, den höchsten Wert unter den 17 erfassten Ländern. Der Wert bezeichnet den ausgewiesenen Handelsmarkenanteil im Vergleich, nicht den Anteil einer einzelnen Warengruppe.
Für Private Label Design in der Schweiz ergibt sich daraus eine relevante Gestaltungsfrage: Wie bleibt eine Handelsmarke über verschiedene Kategorien hinweg zusammengehörig, ohne überall gleich auszusehen? Eine einheitliche Grundstruktur kann Orientierung bieten, während Produktbilder, Farbflächen und Informationen den jeweiligen Kategorien angepasst werden.
Bei einer preisorientierten Pasta muss die Gestaltung beispielsweise nicht künstlich luxuriös wirken. Sie sollte die Sorte, die Menge und den erwartbaren Gebrauchswert klar vermitteln. Bei einer hochwertigen Spezialität kann dagegen eine nachvollziehbare Zutaten- oder Herkunftsinformation stärker ins Gewicht fallen.
Das Regal lässt sich nicht unverändert digital abbilden
Im Online-Feed fehlen Gewicht, Griffgefühl und die unmittelbare Materialerfahrung. Eine feine Prägung, die im Laden überzeugt, kann im kleinen Produktbild unsichtbar bleiben. Deshalb sollten digitale Ansichten als eigene Testsituation behandelt werden.
Für die Interpretation von Shopper Insights ist die konkrete Aufgabe entscheidend: Sucht jemand gezielt nach einer vertrauten Marke, vergleicht er Alternativen oder entdeckt er beiläufig ein neues Produkt? Erst wenn dieser Kontext feststeht, lässt sich sinnvoll entscheiden, welche Verpackungssignale Vorrang erhalten.
Wahrnehmung zuerst messen
Ein Relaunch sollte mit einer überprüfbaren Ausgangslage beginnen. Sonst bleibt nach der Einführung unklar, ob ein neuer Entwurf tatsächlich ein Problem gelöst oder lediglich den internen Geschmack getroffen hat.

Den Ist-Zustand festhalten. Ungestützte und gestützte Fragen erfassen das Markenbild. Ein kontrollierter Packungstest ergänzt, welche Erwartungen die Gestaltung ohne sichtbaren Namen auslöst.
Befunde nach Wissen, Gefühl und Verhalten ordnen. Fehlende Bekanntheit verlangt andere Massnahmen als ein unverständliches Produktversprechen. Preisfokus, Qualitätsanspruch und bestehende Kaufgewohnheiten sollten getrennt ausgewertet werden.
Vertraute Codes bewusst behandeln. Für die Trusted-Brand-Erhebung 2025 laut Organisator nannten 2'300 Personen in 15 Produktkategorien ungestützt 2'193 unterschiedliche Markennamen; in 13 Kategorien blieben die Vorjahressieger unverändert. Das deutet auf stabile Markenassoziationen hin, beweist aber nicht die Wirkung eines bestimmten Verpackungscodes.
Echt AG hat in einem Strassentest dieselbe Schokolade in schlichter und auffälliger Verpackung angeboten und den beobachteten Unterschied als Placeboeffekt im Neurobranding eingeordnet: Das Gehirn schmeckt mit den Augen. Ein solcher Praxistest illustriert den möglichen Einfluss der Präsentation, ersetzt ohne dokumentierte Vergleichsbedingungen aber keinen kontrollierten Wirkungsnachweis.
Prüffragen vor der Freigabe
- Erkennbarkeit: Wird die Marke zwischen realistischen Nachbarprodukten gefunden?
- Erwartung: Stimmen Qualitätszuschreibung und tatsächliches Produktversprechen überein?
- Sortimentszugehörigkeit: Bleiben Produktlinie und Varianten unterscheidbar?
Der Relaunch beginnt mit einer Messung, nicht mit einem neuen Entwurf. Erst ein klar benanntes Wahrnehmungsproblem liefert einen belastbaren Massstab für die Gestaltung.
Echt AG entwickelt als Packaging-Design- und Branding-Agentur in St. Gallen Markenauftritte und Verpackungssysteme für Konsumgüter. Der Prozess beginnt mit einem Gespräch über Visionen, Märkte, Marken und Beziehungen, um zu klären, wie Marke oder Verpackung präziser wirken können. Für die Vorbereitung eines Verpackungsrelaunchs können Markenverantwortliche Echt AG besuchen oder unter +41 71 274 27 27 und hello@echt.ch Kontakt aufnehmen.