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Online Verpackungsdesign im E-Commerce

Echt AG Redaktion·
Online Verpackungsdesign im E-Commerce

Am Abend gleitet der Daumen durch den Instagram-Feed. Eine Shampooflasche mit mintgrünem Etikett erscheint kurz, daneben ein Müslipaket in warmem Beige. Nach einem Augenblick sind beide Produkte im nächsten Bildstrom verschwunden. Kein Griff ins Regal, kein Vergleich der Rückseite, kein bewusster Kaufimpuls.

Dieser Moment auf dem Smartphone verändert die Rolle der Verpackung. Was im stationären Regal durch Abstand, Haptik, Licht und physische Präsenz wirkt, funktioniert online nicht automatisch. Die Verpackung muss heute zwei Verkaufsflächen gleichzeitig bespielen, das Regal und den digitalen Point of Sale. Sobald das Produktbild im Suchergebnis oder Feed erscheint, verschiebt sich die Aufmerksamkeit vom Karton ins Pixelraster.

Inhaltsverzeichnis

Wenn der Bildschirm das Regal ersetzt

Im Schweizer Onlinehandel beginnt die Kaufentscheidung oft mit einer kleinen Produktabbildung. Eine Packung erscheint in der Suche, zwischen ähnlichen Angeboten und wechselnden Inhalten. Innerhalb kurzer Zeit muss erkennbar werden, was sie enthält, für welche Kategorie sie steht und weshalb sie Beachtung verdient.

Die Schweiz zählt seit Jahren zu den reiferen E-Commerce-Märkten Europas. 2017 kauften 4,9 Millionen in der Schweiz wohnhafte Personen zwischen 15 und 88 Jahren innerhalb von zwölf Monaten mindestens einmal online ein. Das entsprach 72 % dieser Bevölkerungsgruppe und lag 50 % über dem Wert von 2010, als 3,3 Millionen Personen E-Commerce nutzten. Zu den meist online gekauften Warengruppen gehörten Transporttickets mit rund 3,3 Millionen Käuferinnen und Käufern, Kleider und Sportartikel sowie Übernachtungen mit jeweils gut 3,1 Millionen Personen und Eintrittskarten mit 2,6 Millionen.

Für FMCG- und Retail-Marken ist der Onlineshop damit ein eigener Absatzraum. Sortiment, Markenbild und Verpackung werden beurteilt, bevor das Paket geöffnet ist. Das Produktbild übernimmt einen Teil der Orientierung, die im Laden die Frontseite, die Nachbarschaft und die physische Präsenz leisten.

Der Feed kennt keinen Greifraum

Im Geschäft erzeugen Breite, Höhe, Material und Abstand eine räumliche Dramaturgie. Im Feed gibt es diese Greifnähe nicht. Produkte erscheinen nacheinander, eingebettet in einen Kontext, den Marke und Händler nur teilweise bestimmen.

Ein online taugliches Verpackungsdesign muss deshalb auch im Kleinstformat lesbar bleiben. Marke, Kategorie und Hauptnutzen sollten beim ersten Bildkontakt unterscheidbar sein. Dekorative Details, feine Illustrationen und lange Texte können auf der realen Packung funktionieren, verlieren im Thumbnail jedoch rasch an Wirkung.

Digitale Verkaufsfläche: Die Verpackung wird online nicht kleiner. Sie wird selektiver gelesen.

Die Bedeutung dieses Kanals zeigt auch das Marktvolumen. Der Schweizer Onlinehandel erreichte 2025 ein Volumen von 15,8 Milliarden Schweizer Franken und wuchs gegenüber 2024 um 6 %. Bereits 2023 lag der Onlinekonsum bei 14,4 Milliarden Franken, womit die Rückgänge aus 2022 ausgeglichen waren, wie die Branchenstatistik zum Schweizer Onlinehandel ausweist.

Verpackungsdesign für den digitalen Point of Sale muss daher mehr leisten als Aufmerksamkeit. Es soll im Shop Orientierung schaffen, im Versand Vertrauen bestätigen und beim Unboxing die Markenentscheidung nachvollziehbar machen. Online-Verpackungsdesign ist damit kein Zusatz zur Packung, sondern eine zweite Lesart derselben Marke. Eine vertiefte Einordnung dieses Wechsels bietet der Beitrag Wenn Verpackung digital denken lernt.

Regal und Onlineshop zwei verschiedene Entscheidungsarchitekturen

Regal und Onlineshop organisieren Entscheidungen grundverschieden. Im stationären Handel entstehen Aufmerksamkeit und Vergleich aus räumlicher Nähe. Produkte befinden sich in Kategorieblöcken, stehen in Sichtweite zueinander und werden aus unterschiedlichen Distanzen betrachtet. Die Kundschaft kann eine Packung drehen, Zutaten lesen, Verschlüsse prüfen und Material unmittelbar beurteilen.

Der Onlineshop reduziert diese Erfahrung auf eine Bildfolge. Die Suchergebnisliste setzt Produkte in eine visuelle Reihe, der Feed unterbricht diese Reihe durch redaktionelle oder soziale Inhalte. Blickführung, Kontrast und Informationshierarchie übernehmen Aufgaben, die im Laden von Raum und Haptik erledigt werden.

Ein Regal mit verschiedenen Kosmetikprodukten und ein Laptop, auf dem ein Online-Shop für Hautpflege angezeigt wird.

Was digital verloren geht

Form, Gewicht, Oberfläche und Verschlussgeräusch lassen sich nicht vollständig in ein Produktbild übertragen. Eine schwere Glasflasche kann im Regal Wertigkeit ausstrahlen, während sie online zunächst nur als Silhouette mit Lichtkante erscheint. Die digitale Übersetzung muss deshalb nicht alle physischen Reize abbilden, sondern jene auswählen, die für Vertrauen und Einordnung relevant sind.

Am Regal unterstützt die Verpackung einen Dialog. Die Kundschaft kann suchen, vergleichen und zurückkehren. Im Feed führt sie einen kurzen Monolog. Das Produkt muss ohne Erklärung verständlich werden, weil die nächste visuelle Information bereits wartet.

Die Schweiz als mobiler Kaufraum

Für Packaging- und UX-Teams ist die mobile Nutzung besonders wichtig. 2024 erfolgten 52,4 % aller Onlinekäufe in der Schweiz über das Smartphone, während der Onlinehandel in derselben Darstellung ein Volumen von 14,9 Milliarden Schweizer Franken und ein Wachstum von 3,5 % gegenüber dem Vorjahr erreichte, wie Post Digital Commerce berichtet.

Das Smartphone verlangt eine strengere Bildhierarchie als ein grosser Bildschirm. Ein Logo, eine Sorte und ein Nutzenversprechen dürfen nicht auf gleicher visueller Ebene konkurrieren. Die Packung braucht eine dominante Form, einen eindeutigen Farbraum und ausreichend grosse Schrift. Wer die Regalwirkung unverändert in den Onlineshop überträgt, übernimmt auch deren räumliche Voraussetzungen, obwohl diese dort fehlen.

Vom physischen Produkt zum digitalen Bild

Der wichtigste Schritt im Online-Verpackungsdesign ist die bewusste Übersetzung vom Objekt zum Bild. Eine Flasche kann im Regal über Höhe, Rundung und Griffzone auffallen. Im digitalen Listing erscheint sie meist frontal, flach und von anderen Produktbildern umgeben. Die fotografische Inszenierung muss daher die Orientierung aus der Verpackungsform in eine klare Bildkomposition übertragen.

Erst die Silhouette, dann die Botschaft

Ein belastbares Produktbild entsteht in einer festen Reihenfolge:

  1. Produkt freistellen: Eine ruhige, helle Umgebung trennt die Verpackung vom Interface und verhindert, dass Hintergrunddetails die Kontur überlagern.
  2. Licht kontrollieren: Weiche Schatten geben dem Objekt Volumen, ohne die Lesbarkeit von Etikett und Verschluss zu beeinträchtigen.
  3. Marke priorisieren: Das Logo muss auch in verkleinerter Darstellung als Absender erkennbar bleiben.
  4. Kategorie benennen: Shampoo, Müesli, Pflegeprodukt oder Haushaltsartikel müssen visuell schnell einordenbar sein.
  5. Nutzen verdichten: Das zentrale Versprechen gehört in eine kurze, gut lesbare Formulierung.
  6. Key Visual begrenzen: Ein einziges starkes Motiv wirkt im Thumbnail meist klarer als eine Ansammlung dekorativer Elemente.

Diese Reihenfolge verhindert einen häufigen Fehler: Das Produktbild erzählt zu viel, bevor es überhaupt erkannt wird. Erkennung kommt vor Differenzierung, Differenzierung vor Überzeugung.

Farbe muss im Wettbewerbsfeld bestehen

Im Regal funktioniert eine Farbe oft über Kategorieassoziationen und die Nachbarschaft der Produkte. Im Onlineshop zählt zusätzlich der Kontrast zu den anderen Bildern in derselben Ergebnisliste. Eine weisse Tube auf weissem Hintergrund verliert ihre Kontur. Eine klar abgegrenzte Hauptfarbe mit dunkler Typografie bleibt schneller erfassbar.

Das bedeutet nicht, dass jede Marke möglichst laut auftreten sollte. Premiumprodukte können mit reduziertem Kontrast, Materialnähe und grosszügiger Fläche arbeiten, sofern die Silhouette und der Markenanker stabil bleiben. Entscheidend ist, dass die digitale Bildsprache nicht nur auf der eigenen Produktseite, sondern auch in der Kategorieübersicht funktioniert.

Die Packung braucht eine mobile Kurzfassung

Auf einem sechs Zoll grossen Display werden feine Claims, Nebeninformationen und kleine Icons schnell zu visueller Unruhe. Die digitale Verpackungsdarstellung braucht deshalb eine Kurzfassung der Markenarchitektur. Wer Logo, Sorte, Nutzen und Bildmotiv nicht in wenigen Blickmomenten ordnen kann, wird in der Suchansicht kaum eindeutig gelesen.

Die physische Packung bleibt dabei die Quelle der Wahrheit. Das Produktbild darf Informationen verdichten, aber keine Versprechen hinzufügen, die auf der Packung oder in den Produktdaten nicht belegt sind. Gutes digitales Verpackungsdesign ist keine Retusche. Es ist eine präzise Übersetzung.

Thumbnail Hauptbild und Galerie als Verkaufsfläche

Ein Produktlisting funktioniert als Bildstrecke mit unterschiedlichen Aufgaben. Das Thumbnail muss vor allem die Kategorie und das konkrete Produkt kenntlich machen. Das Hauptbild übernimmt die emotionale Kaufmotivation. Die Galerie beantwortet Fragen, die im ersten Kontakt offenbleiben, etwa zur Anwendung, Grösse, Zusammensetzung oder Verpackungslogik.

Bei standardisierten FMCG-Artikeln erzeugt ein frontal fotografiertes Produkt mit klarer Silhouette meist die schnellste Orientierung. Eine angeschnittene Studiofreistellung kann stärker nach Editorial oder Premium aussehen, riskiert aber, dass wichtige Informationen fehlen. Eine Lifestyle-Szene schafft Anwendungskontext, konkurriert im Thumbnail jedoch mit dem Produkt selbst.

Drei Bildfamilien, drei Aufgaben

Das Frontalfoto mit Hero-Hintergrund eignet sich für Marken, die über Farbe und Form sofort wiedererkannt werden sollen. Der Hintergrund darf den Produktkontrast unterstützen, nicht aber die Verpackungsfront verschlucken.

Die angeschnittene Studiofreistellung arbeitet mit Nähe und Materialität. Sie kann Texturen, Verschlussdetails oder eine besondere Form herausstellen. Für die Kategorieübersicht braucht sie jedoch eine ergänzende, eindeutigere Produktansicht.

Die Lifestyle-In-Use-Szene zeigt den Anlass und die Anwendung. Sie hilft besonders dort, wo die Produktfunktion nicht aus dem Packshot hervorgeht. Im Listing sollte sie eher in der Galerie als im primären Thumbnail eingesetzt werden, wenn die Packung selbst der zentrale Wiedererkennungsanker ist.

Bildslot Funktion Gestaltungsregel
Thumbnail Schnelle Erkennung in Kategorie und Suche Eine dominante Silhouette, klare Produktkategorie, keine überladenen Nebenmotive
Hauptbild Kaufmotivation und Markenwirkung Produkt gross zeigen, Kontrast sichern, Hauptbotschaft visuell priorisieren
Galerie Einwände abbauen und Vertrauen schaffen Anwendung, Inhaltsstoffe, Grösse, Varianten und Versandinformationen getrennt erklären

Galerie statt dekorativer Wiederholung

Eine Galerie verliert ihren Wert, wenn jedes Bild dieselbe Frontansicht nur leicht verändert. Jedes zusätzliche Motiv sollte eine konkrete Unsicherheit reduzieren. Ein Anwendungsbild erklärt die Nutzung. Eine Detailaufnahme zeigt Verschluss, Oberfläche oder Dosierung. Eine Informationsfläche ordnet Inhaltsstoffe, Herkunft oder Zertifizierungen ein, sofern diese Angaben geprüft und verständlich dargestellt sind.

Hinweisflächen für Aktion, Versand oder Varianten gehören nicht automatisch auf das Hauptbild. Sie können Aufmerksamkeit erzeugen, aber auch die Packung verdecken und die Bildlogik des Listings stören. Die beste Galerie ist keine Fotosammlung, sondern eine Abfolge von Antworten.

Unboxing und Versandverpackung als Markenmoment

Der Markenmoment beginnt mit der Lieferbenachrichtigung. Beim Anheben des Pakets verdichtet sich die Erwartung, beim Öffnen und ersten Berühren wird sie bestätigt oder enttäuscht. Eine Versandverpackung kann Sicherheit vermitteln, die Produktqualität vorbereiten und die digitale Markenwahrnehmung physisch fortsetzen. Sie kann jedoch auch den Eindruck erzeugen, dass Materialaufwand und Inhalt nicht zusammenpassen.

Vier Zonen mit eigener Aufgabe

Der Aussenkarton steht für Stabilität und Logistikqualität. Er schützt den Inhalt und sollte zugleich angemessen dimensioniert sein. Ein klarer Absender erleichtert die Zuordnung. Eine übermässige Bedruckung lässt das Paket dagegen schnell wie Werbematerial erscheinen, statt wie eine sorgfältig gestaltete Lieferung.

Das Inlay hält den Inhalt an seinem Platz und strukturiert die Öffnung. Bei empfindlichen Produkten zählt die Passgenauigkeit stärker als dekorativer Aufwand. Eine kompakte Konstruktion kann Material sparen und den Auspackmoment ruhiger gestalten.

Die Produktbox trägt die eigentliche Markenbotschaft. Hier treffen Regaldesign, digitale Darstellung und haptische Wahrnehmung aufeinander. Eine im Onlineshop reduzierte Farbwelt darf im physischen Kontakt nicht steril wirken. Sie sollte die erwartete Qualität erkennbar fortsetzen.

Der Beileger erklärt Anwendung, Pflege, Nachbestellung oder Recycling. Sein Wert entsteht durch einen konkreten Nutzen. Ein austauschbarer Werbezettel verlängert den Markenmoment nicht automatisch.

Der Schweizer Onlinehandel liefert den wirtschaftlichen Rahmen für diese Entscheidungen. 2025 erreichte der Kanal 15,8 Milliarden Schweizer Franken, wie der bereits erwähnte Schweizer Handelsverband ausweist. Für Marken mit hohem Versandanteil wird der Karton damit zur wiederkehrenden Kontaktfläche. Er ist mehr als eine Logistikhülle.

Nachhaltigkeit zwischen Anspruch und Beleg

In der Schweiz gibt es derzeit keine allgemeine Verpackungsverordnung. Gesetzlich vorgeschrieben ist im Verpackungsbereich die vorgezogene Entsorgungsgebühr auf Glasflaschen. Recyclinglösungen für PET-Getränkeflaschen, Aluminiumdosen und Weissblechbüchsen werden über private Systeme organisiert, wie Swiss Recycle zur Rezyklierbarkeit von Verpackungen erläutert.

Für Anfang 2027 ist eine neue Verpackungsverordnung vorgesehen. Danach sollen Kunststoffverpackungen mindestens zu 55 % stofflich verwertet werden, Getränkekartons mindestens zu 70 %. Hersteller und Händler von Einwegkunststoffverpackungen sollen zudem separate Sammelmöglichkeiten anbieten, wie Haufe zur Schweizer Verpackungsverordnung berichtet.

Unboxing-Inhalte können organische Reichweite erzeugen. Entscheidend bleibt der Moment davor: Der Karton muss schützen, angemessen dimensioniert und materialseitig nachvollziehbar sein. Nachhaltigkeit wirkt als Vertrauenssignal, wenn die Aussage präzise und überprüfbar bleibt. Eine Einordnung der Inszenierung bietet Unboxing als Markenerlebnis.

Neuromarketing am Bildschirm was wirkt und was nicht

Neuromarketing kann im Online-Verpackungsdesign nützlich sein, wenn es beobachtbare Gestaltungseffekte untersucht. Es wird problematisch, sobald allgemeine Versprechen über das Unterbewusstsein an die Stelle von Tests und klaren Kaufaufgaben treten. Kontrast, Schriftlesbarkeit und visuelle Erkennbarkeit lassen sich prüfen. Eine universelle Farbformel für Conversion gibt es nicht.

Drei Hebel mit nachvollziehbarer Wirkung

Der erste Hebel ist Erkennbarkeit im Feed. Eine Verpackung muss aus dem visuellen Strom herausgelöst werden, ohne ihre Kategoriezugehörigkeit zu verlieren. Kontrast, Silhouette und markentypische Farbe können dabei als überprüfbare Gestaltungsmittel dienen.

Der zweite Hebel liegt in den Vertrauenssignalen der Detailansicht. Eine saubere Produktfront, glaubwürdige Anwendungsszenen, nachvollziehbare Inhaltsangaben und konsistente Produktdaten reduzieren Unsicherheit. Vertrauen entsteht nicht durch eine einzelne psychologische Abkürzung, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer stimmiger Hinweise.

Der dritte Hebel ist Konsistenz über die Kontaktpunkte. Thumbnail, Hauptbild, Produktverpackung und Versandkarton müssen dieselbe Marke erkennen lassen. Wenn die digitale Abbildung minimalistisch wirkt, der Karton aber mit einer völlig anderen Farb- und Bildwelt überrascht, entsteht kein zusätzlicher Markeneffekt, sondern Irritation.

Ein Computerbildschirm zeigt eine Produktseite für einen Aroma-Diffusor mit einer Wärmebild-Analyse der Nutzeraufmerksamkeit auf einer E-Commerce-Website.

Wo die Behauptung beginnt

Farbpsychologie Packaging kann Orientierung unterstützen, ist aber kein universeller Conversion-Treiber. Die gleiche Farbe kann je nach Kategorie, kulturellem Kontext, Wettbewerb und Markenbekanntheit unterschiedlich gelesen werden. Deshalb gehört die Farbwahl in einen Testaufbau, nicht in eine pauschale Rezeptlogik.

Auch mandelkernförmige Augenpaare auf einer Packung oder Duftkarten im Versandkarton werden häufig mit starken unterbewussten Effekten verbunden. Ohne belastbaren Nachweis bleibt offen, ob diese Elemente tatsächlich eine Kaufentscheidung auslösen oder lediglich Aufmerksamkeit erzeugen. Der Beitrag Neuromarketing in der Verpackung ordnet solche Mechanismen als Teil einer grösseren Beobachtung von Shopper Psychology ein.

Klare Position: Alles ausserhalb von Erkennbarkeit, Vertrauen und Konsistenz ist zunächst ein Gestaltungsexperiment, kein belegter Verkaufshebel.

Konkrete Empfehlungen für FMCG und Retail Teams in der Schweiz

FMCG- und Retail-Teams sollten Online-Verpackungsdesign nicht mit einer vollständigen Neugestaltung beginnen. Die sinnvollere Reihenfolge folgt dem Kontaktpunkt, an dem die meisten Produkte zuerst beurteilt werden, und trennt sichtbare Wirkung von dekorativem Aufwand.

Das Hauptbild zuerst disziplinieren

Das Produktbild braucht eine freigestellte Darstellung auf hellem Hintergrund, eine klar erkennbare Kontur und eine Schriftgrösse, die auch auf dem Smartphone nicht kollabiert. Für Kontrastprüfungen kann ein Zielwert von 4,5:1 als gestalterische Vorgabe verwendet werden. Die Hauptbotschaft bleibt auf höchstens drei Wörter begrenzt, damit sie neben Logo, Sorte und Produktform nicht untergeht.

Das Logo muss auch in stark verkleinerter Darstellung als Markenanker funktionieren. Dabei zählt nicht nur die technische Lesbarkeit, sondern die visuelle Eigenständigkeit. Ein Logo, das auf der realen Packung überzeugt, kann im Thumbnail durch zu feine Linien oder zu geringe Fläche unkenntlich werden.

Eine Flasche Head & Shoulders Cool Menthol Anti-Schuppen-Shampoo vor einem neutralen, grauen Hintergrund.

Die Bildstrecke als Entscheidungshilfe

Die Galerie sollte mindestens drei unterschiedliche Fragen beantworten:

  • Anwendung: Wie wird das Produkt verwendet, und in welchem Alltagsszenario ist es relevant?
  • Inhalt: Welche Inhaltsstoffe, Mengen oder Varianten müssen vor dem Kauf verstanden werden?
  • Vertrauen: Welche geprüften Angaben zu Herkunft, Qualität, Verpackung oder Lieferung helfen bei der Entscheidung?

Aktionen und Preisvorteile benötigen eine eigene Bildvariante, statt das reguläre Hauptbild mit wechselnden Aufklebern zu überladen. So bleibt die Markenarchitektur stabil, während der aktuelle Kaufanlass sichtbar wird.

Versand erst nach der Bildsprache

Die Versandverpackung sollte auf die tatsächlichen Versandbedingungen des jeweiligen Handelsmodells abgestimmt werden. Rezyklierte Kartonagen, kompakte Masse und eine klar erkennbare Öffnungslogik können dabei sinnvoller sein als zusätzliche Dekoration. Recyclinghinweise müssen korrekt formuliert sein, denn Dreieckssymbole auf Verpackungen kennzeichnen laut Swiss Recycle Materialeigenschaften, sagen aber nichts über die Recyclingfähigkeit aus. Die Informationen zu Plastikverpackungen und Recyclingkennzeichnungen liefern dafür den notwendigen Kontext.

Für Gründerinnen, Gründer und kleine Retail-Teams kann auch ein kompakter Überblick zu Tipps für eBay Dropshipping ohne Geld hilfreich sein, wenn Versandlogik, Produktdarstellung und Verpackungsaufwand früh zusammen geplant werden. Als spezialisierte Packaging Design Agentur Schweiz entwickelt Echt AG Verpackungssysteme und Markendesigns für Konsumgüter und verbindet dabei Neurowissenschaft mit Verhaltenspsychologie. Der Ansatz passt besonders dort, wo Verpackungsdesign FMCG, Private Label Design Schweiz und digitale Produktinszenierung nicht getrennt behandelt werden sollen.

Was Verpackung im Onlinehandel jetzt leisten muss

Ein Produkt erscheint zuerst als kleines Bild, dann als Paket und erst danach als Gegenstand in der Hand. In der Schweiz erreichte der Onlinehandel 2024 laut Organisator zum Schweizer Onlinehandel 2024 ein Rekordvolumen von 18 Milliarden Schweizer Franken und einen Anteil von 17,3 % am Detailhandel. Seit 2021 entsprach das dort ausgewiesene Wachstum 20,8 %, während 52,4 % der Onlinekäufe über das Smartphone erfolgten.

Damit verschieben sich die Anforderungen an Verpackung. Produktdarstellung, Versand und Recycling müssen zusammenpassen. Eine Packung muss im Thumbnail lesbar sein, beim Unboxing einen stimmigen Markenmoment erzeugen und bei der Entsorgung klare, korrekte Informationen liefern.

Nachhaltigkeit bleibt ein Vertrauensfilter

Eine Befragung zum Schweizer Onlinekonsum weist darauf hin, dass 80 % der Internetnutzerinnen und Internetnutzer monatlich online einkaufen. Gratisversand nannten 60,5 %, Promotionen 38,9 % als zentrale Treiber. Nachhaltige Verpackung kann im Entscheidungsprozess nachrangig wirken, wie Eminence zu Schweizer E-Commerce-Trends einordnet.

Für grenzüberschreitende Käufe zeigt eine weitere Untersuchung eine klare Prioritätensetzung: 82 % nannten den Preis, 76 % Vertrauen und Lieferung als entscheidende Faktoren. Nachhaltige Verpackung erscheint damit eher als Vertrauensfilter und Hygiene-Faktor, nicht als alleiniger Wachstumshebel.

Der Group E-Commerce Trend Report 2025 kommt zu einer ähnlichen Einordnung: 90 % bevorzugen recycelbare, passgenaue E-Commerce-Verpackungen, doch nur 50 % vertrauen den Nachhaltigkeitsaussagen einer Marke. Nachhaltige Verpackung nannten 16 % als stärksten Faktor für einen erneuten Kauf. Coupons, Rabatte und Guthaben lagen bei 47 %.

Der nächste Reibungspunkt liegt in den Verpackungsdaten. Marken müssen Produktnamen, Varianten, Inhaltsstoffe, Masse und Recyclinginformationen strukturiert liefern, damit Produkte in Vergleichstabellen, KI-Suchen und Sprachassistenten korrekt auftauchen. Das Regal bleibt bestehen. Die Verpackung entscheidet jedoch immer öfter zuerst am Bildschirm, dann im Karton und erst danach in der Hand.

Echt AG entwickelt Verpackungssysteme und Markendesigns für Konsumgüter, die im Smartphone-Feed, im Onlineshop und beim Unboxing konsistent funktionieren. Unter Echt AG finden Markenverantwortliche einen Ansprechpartner, wenn digitale Bildwirkung, physische Verpackung und Kaufentscheidung als zusammenhängendes System gestaltet werden sollen.