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Verpackungsdesign Schweiz: Markt, Recht, Psychologie

Echt AG Redaktion·
Verpackungsdesign Schweiz: Markt, Recht, Psychologie

2024 wurden in der Schweiz rund 3,1 Millionen Tonnen Material separat gesammelt, pro Person entspricht das etwa 50 vollen Einkaufskörben Wertstoffe pro Jahr. Gleichzeitig werden weiterhin rund 52 % der Siedlungsabfälle getrennt gesammelt und recycelt. Die Schweizer Abfalldaten von Realcycle verschieben damit die zentrale Packaging-Frage: Nicht nur, ob eine Verpackung recyclingfähig ist, entscheidet über ihre Umweltwirkung, sondern ob Menschen sie im Alltag erkennen, richtig entsorgen und dem passenden Sammelstrom zuführen.

Für Markenverantwortliche verschärft sich diese Frage durch die geplante neue Schweizer Verpackungsverordnung. Sie gilt ab 1. Januar 2027 schrittweise, Rücknahmepflichten folgen ab 2028, Berichtspflichten ab 2029. Verpackungsdesign in der Schweiz muss deshalb gleichzeitig am Regal auffallen, im Onlineshop verständlich bleiben, gesetzliche Anforderungen vorbereiten und in bestehenden Sammel- und Sortierlogiken funktionieren. Der Engpass liegt häufig nicht im Material allein, sondern in der Verbindung aus Erkennbarkeit, Informationsarchitektur und Systemkompatibilität.

Inhaltsverzeichnis

Warum Verpackungsdesign in der Schweiz neu gedacht werden muss

Am 31. Dezember 2025 lebten 9.127.100 Menschen in der Schweiz, die ständige Wohnbevölkerung wuchs gegenüber dem Vorjahr um 0,8 %. Das reale BIP stieg 2025 um 1,6 %, nach 1,5 % im Jahr 2024. Das Bundesamt für Statistik weist damit auf einen wachsenden Binnenmarkt hin, in dem Verpackungen regional verständlich und zugleich skalierbar sein müssen.

Eine Verpackung kann technisch recyclingfähig sein und im Alltag dennoch scheitern. Ein mehrschichtiger Beutel mit unklarem Entsorgungshinweis, eine kleine Kunststoffkomponente oder ein stark bedrucktes Etikett erschweren die spontane Zuordnung. Wird die Verpackung falsch eingeordnet, gelangt das Material nicht zuverlässig in den vorgesehenen Recyclingstrom.

Für Markenverantwortliche entsteht daraus eine konkrete Designaufgabe. Die Verpackung muss am Regal Kategorie, Marke und wichtigsten Produktnutzen schnell vermitteln. Im Onlineshop müssen dieselben Signale auch als kleines Produktbild erkennbar bleiben. Am Entsorgungspunkt braucht es eine eindeutige, lesbare Handlungsanweisung.

Drei Prüfungen für jede Verpackung

Am Verkaufsort konkurriert das Pack mit Preisetiketten, Aktionen, Handelsmarken und eingeübten Einkaufsroutinen. Ein Nachhaltigkeitshinweis, der erst bei längerer Betrachtung lesbar wird, erfüllt diese Aufgabe nicht.

Die regulatorische Entwicklung erhöht den Zeitdruck. Für Glas, PET und Aluminium bestehen bereits Mindest-Recyclingziele von 75 %. Neue Vorgaben beziehen weitere Materialgruppen sowie verbindlichere Rücknahme- und Berichtspflichten ein. Das Bundesamt für Umwelt beschreibt die Bedeutung privater Branchenlösungen und öffentlicher Rücknahmestrukturen für PET, Aluminium und Weissblech.

Praktische Regel: Eine Verpackung ist erst dann markttauglich, wenn sie am Regal verständlich, im Smartphone-Feed lesbar und am Entsorgungspunkt eindeutig zuordenbar ist.

Farbcode, Schriftgrösse, Materialaufbau, Verschluss, Etikett und Entsorgungshinweis bilden deshalb ein gemeinsames Designsystem. Sie müssen die Nutzung vom ersten Blick bis zur letzten Handlung führen.

Der Schweizer Markt für FMCG und Konsumgüter im Überblick

282,9 Milliarden Franken Warenexporte im Jahr 2024 markieren ein Allzeithoch. Gegenüber 2023 stiegen sie um 3,2 %, der Handelsüberschuss betrug 60,6 Milliarden Franken. Die Eidgenössische Zollverwaltung beschreibt damit eine Volkswirtschaft, in der Konsumgüter, Pharma und Verpackungssysteme eng mit internationalen Wertschöpfungsketten verbunden sind.

Für FMCG-Marken entsteht daraus ein anspruchsvoller Rahmen. Die Schweiz bietet einen stabilen Absatzmarkt, zugleich verschärfen grenzüberschreitende Lieferketten und ein mehrsprachiger Markt die Anforderungen an Sortiment, Kennzeichnung und Verpackung. Eine lokale Gestaltung muss deshalb oft in unterschiedlichen Verkaufssituationen funktionieren, ohne die industrielle Skalierbarkeit zu verlieren.

Eckdaten für Marken- und Packaging-Teams

Kennzahl Wert 2024 Quelle
Reales BIP-Wachstum 1,5 % Bundesamt für Statistik
Warenexporte 282,9 Mrd. Franken Eidgenössische Zollverwaltung
Handelsüberschuss 60,6 Mrd. Franken Eidgenössische Zollverwaltung
Separat gesammelte Materialien rund 3,1 Mio. Tonnen Realcycle

Die Kennzahlen zeigen die wirtschaftliche Einbindung und die Dimension der Materialströme. Sie belegen jedoch keine pauschalen Aussagen zu Pro-Kopf-Ausgaben für verpackte Güter, E-Commerce-Anteilen oder Cross-Border-Käufen. Solche Werte aus Nachbarländern auf die Schweiz zu übertragen, würde regionale Unterschiede bei Einkommen, Handel und Nutzung überdecken.

Ein Markt, mehrere Nutzungssituationen

Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten wechseln zwischen stationärem Handel und digitalen Kanälen. Eine Schweizer Omnichannel-Studie der Universität St. Gallen beschreibt Kaufentscheidungen als kanalübergreifend und spontan.

Für das Packaging ergeben sich drei konkrete Prüfungen:

  • Regalwirkung: Kategorie und Marke müssen auch aus Distanz erkennbar bleiben.
  • Listenverständlichkeit: Produktbild, Variante und Nutzen müssen in kleiner digitaler Darstellung lesbar sein.
  • Systemstabilität: Sorten, Grössen und Preise brauchen eine konsistente visuelle Kodierung.

Handelsmarken erhöhen den Vergleichsdruck, weil ihre Verpackungen nicht allein über den Preis wahrgenommen werden. Markenartikler müssen daher Herkunft, Funktion und Qualitätsversprechen klar hierarchisieren. Mit Blick auf die Verpackungsverordnung ab 2027 gehört auch die Entsorgungsinformation in dieses System. Sie muss im Regal und im Onlineshop verständlich bleiben, während die Verpackung am Sammelpunkt eindeutig zugeordnet werden kann. Der Engpass liegt damit im Alltag häufig bei Erkennbarkeit und Sortierung, nicht nur bei der technischen Recyclingfähigkeit.

Rechtliche Vorgaben und die neue Verpackungsverordnung

Die neue Schweizer Verpackungsverordnung verändert nicht nur Compliance-Prozesse, sondern auch die Reihenfolge von Designentscheidungen. Ab 1. Januar 2027 gilt sie schrittweise. Rücknahmepflichten sind ab 2028 vorgesehen, Berichtspflichten ab 2029. Ein Fachbericht zur Schweizer Verpackungsverordnung nennt verbindliche Recyclingziele von 75 % für Glas, PET und Aluminium, 70 % für Getränkekartons und 55 % für Einweg-Kunststoffverpackungen.

Für Brand-Managerinnen reicht es deshalb nicht, das bestehende Artwork kurz vor dem Druck zu prüfen. Material, Lieferant, Label, Verschluss und Entsorgungsinformation müssen bereits in der Konzeptphase zusammen betrachtet werden.

Die Materialentscheidung bestimmt den Prüfpfad

Glas, PET und Aluminium befinden sich in etablierten Schweizer Sammel- und Verwertungsstrukturen. Bei Kunststoffverpackungen, Getränkekartons und Verbundaufbauten hängt die Beurteilung stärker davon ab, wie Materialkombinationen, Beschichtungen und Komponenten in den vorgesehenen Systemen behandelt werden.

Eine belastbare Prüfung umfasst:

  1. Materialinventar: Jede Schicht, jeder Klebstoff, jeder Verschluss und jedes Etikett wird dokumentiert.
  2. Systemabgleich: Das Packaging-Team prüft, ob die Verpackung bestehende Sammel- und Sortierströme beeinträchtigt.
  3. Nachweisführung: Lieferanten- und Materialinformationen werden so organisiert, dass spätere Berichte nicht aus Einzeldateien rekonstruiert werden müssen.
  4. Artwork-Check: Pflichtinformationen, Entsorgungshinweise und freiwillige Labels werden auf Lesbarkeit und Platzbedarf geprüft.

Die geplante Abgabe von 1 bis 10 Rappen pro Verpackung für Lebensmittel- und Kosmetik-Glasbehälter erhöht den Druck, Kosten nicht erst nach dem Rebranding zu kalkulieren. Sie betrifft nicht jede Verpackungsart gleich, muss aber bei betroffenen Sortimenten in die Wirtschaftlichkeitsprüfung einfließen.

Was heute vorbereitet werden sollte

Die neue Regulierung arbeitet mit Übergangsfristen, doch Verpackungsprojekte haben längere Entwicklungs- und Listungszyklen. Deshalb sollten Marken die künftigen Anforderungen nicht als isoliertes Rechtsprojekt behandeln. Die relevanten Gestaltungsschritte sind in einer Übersicht zur Verpackungsverordnung entlang von Material, Rücknahme, Reporting und Verpackungsinformation zu ordnen.

Freiwillige Labels können Orientierung schaffen, ersetzen aber keine Prüfung der tatsächlichen Systemkompatibilität. Auch Branchenlösungen wie PRP-Recycling können Prozesse unterstützen, entbinden Marken jedoch nicht von der Verantwortung, Verpackungsaufbau und Entsorgungshinweis nachvollziehbar zu dokumentieren.

Recycling und Sortierung in der Praxis

Die Schweizer Sammelinfrastruktur ist dicht, aber sie arbeitet nicht mit dem Idealbild aus dem Labor. Eine Person hält die Verpackung in der Hand, trennt einzelne Bestandteile oder entsorgt das Produkt komplett. Form, Farbe, Etikett, Verschluss und Materialgefühl beeinflussen diese Entscheidung ebenso wie die Klarheit des Hinweises.

Eine Person wirft einen weißen Beutel in einen der drei farbigen Recyclingbehälter für Mülltrennung in der Schweiz.

2025 wurden laut Branchenangabe in über 620 Schweizer Gemeinden 9'402 Tonnen Haushaltskunststoffe gesammelt und recycelt, 312 Tonnen mehr als im Vorjahr. InnoRecycling wertet diese Entwicklung als wachsende Erfassung von Haushaltskunststoffen. Sie sagt jedoch noch nichts darüber aus, ob jede einzelne Verpackung korrekt erkannt oder dem richtigen Strom zugeführt wird.

Der Weg vom Regal zur Sortieranlage

Für Packaging-Teams lohnt sich ein Waste-Audit, das nicht bei der Materialliste endet. Testkäufe zeigen, welche Teile Konsumentinnen und Konsumenten tatsächlich abtrennen, welche Hinweise sie lesen und welche Verpackungen sie gemeinsam entsorgen.

Besonders kritisch sind:

  • Verbundmaterialien: Mehrere Schichten können die Verarbeitung erschweren.
  • Kleine Komponenten: Verschlüsse oder Miniportionen werden leicht übersehen.
  • Dunkle und schwarze Kunststoffe: Kontraste und automatische Erkennung können problematisch sein.
  • Überdimensionierte Labels: Ein Etikett kann die Materialidentifikation erschweren.
  • Unklare Sammelhinweise: Ein Recyclingzeichen ohne konkrete Handlungsanweisung bleibt interpretationsbedürftig.

Die Schweizer Verpackungsrealität verlangt daher eine präzise Gestaltung der Entsorgungsinformation. Hinweise für PET, Glas, Aluminium, Karton und Kunststoff sollten dort stehen, wo Konsumentinnen und Konsumenten sie beim Entsorgen sehen, nicht nur in einem schwer auffindbaren Bereich der Rückseite.

Recyclingfähigkeit ist eine Prozessfrage

2025 erhielten rund 1,5 Millionen Menschen Zugang zum nationalen Sammelsystem für Kunststoffverpackungen und Getränkekartons, und es wurden 478 Tonnen gesammelt. Packaging Journal berichtet über den Ausbau von RecyPac. Die Infrastruktur wächst damit, doch unterschiedliche lokale Sammellogiken bleiben für die Gestaltung relevant.

Ein Design-for-Recycling-Projekt sollte deshalb drei Ebenen prüfen: technische Materialeigenschaften, kommunale oder private Rücknahmestrukturen und menschliche Erkennbarkeit. Erst wenn alle drei Ebenen zusammenpassen, wird aus einem Recyclingclaim eine alltagstaugliche Verpackung.

Shopper-Psychologie und der Sekundenmoment am Regal

Am Regal beginnt die Entscheidung selten mit der Zutatenliste. Zuerst sucht der Blick nach Kategorie, Marke und einem verständlichen Produktversprechen. Bei einer Hautpflegecreme kann das die Produktart, der Anwendungsbereich und ein funktionaler Hauptnutzen sein. Bei einem Lebensmittel entscheidet die schnelle Unterscheidung zwischen Sorte, Geschmacksrichtung und Packungsgrösse.

Eine Person wählt eine Hautpflegecreme aus dem Regal in einer Drogerie mit einer Schweizer Flagge im Hintergrund.

Ein überfülltes Frontetikett zwingt den Blick zu einer Suchbewegung. Eine ruhige Hierarchie führt ihn dagegen von der Marke über die Produktart zum Hauptvorteil. Kontrast, Wiedererkennbarkeit und eine stabile Sortimentsarchitektur schaffen dabei Orientierung, ohne dass die Verpackung laut werden muss.

Der typische Entscheidungspfad

Eine Kundin greift nicht automatisch nach der schönsten Packung. Sie filtert zuerst visuell, vergleicht dann Varianten und verarbeitet anschliessend Preis, Inhalt, Inhaltsstoffe und Nachhaltigkeitsinformationen. Jede Information, die in dieser Reihenfolge unverständlich bleibt, schwächt die Kaufentscheidung.

Für Tests im Schweizer Regal empfiehlt sich ein konkretes Beobachtungsraster:

  • Erkennt die Zielperson die Kategorie ohne Hilfe?
  • Wird die Marke auch zwischen ähnlichen Packungen identifiziert?
  • Lässt sich die Variante von anderen Sorten unterscheiden?
  • Bleibt der Preis nach dem ersten Blick verständlich?
  • Wird der Entsorgungshinweis gefunden und richtig interpretiert?

Die Analyse zur Kaufentscheidung am POS ordnet diesen Moment als Zusammenspiel von Wahrnehmung, Zuordnung und Entscheidung ein. Für Marken bedeutet das: Ein einzelnes Keyvisual oder ein auffälliger Farbton genügt nicht, wenn die Gesamtarchitektur keine schnelle Orientierung bietet.

Im Onlineshop zählt die Miniatur

Im digitalen Umfeld wird die Verpackung als kleines Bild in einer Produktliste, Suche oder Vergleichsansicht dargestellt. Feine Typografie, niedrige Kontraste und sekundäre Informationen verlieren an Wirkung, während Markenblock, Produktname und Variantenfarbe stärker tragen müssen.

Eine erfolgreiche Verpackung braucht deshalb nicht zwingend eine eigene Digitalversion, aber sie braucht digitale Lesbarkeit. Das betrifft den Kontrast, die Bildkomposition, die Position der wichtigsten Information und die Unterscheidbarkeit benachbarter Produkte. Ein Test mit realen Smartphone-Ansichten ist aussagekräftiger als eine grosse Präsentation auf einem Designmonitor.

Regionale Designpräferenzen und Markensprache in der Schweiz

Schweizer Verpackungsdesign bewegt sich zwischen internationaler FMCG-Codierung und regionaler Glaubwürdigkeit. Ein alpines Motiv, reduzierte Naturfarben oder ein Herkunftshinweis können eine Erwartung auslösen, beweisen aber noch keine Schweizer Herkunft. Entscheidend ist, ob Bildsprache, Produktversprechen und tatsächliche Leistung zusammenpassen.

Im Food-Bereich funktioniert eine klare Zutaten- und Sortenarchitektur häufig besser als eine folkloristische Überladung. Alpenbilder, Kräuter, Käse, Honig oder Schokolade können Orientierung geben, wenn sie zur Produktkategorie passen. Werden sie nur als Dekoration eingesetzt, verwischen sie dagegen den Unterschied zwischen Herkunft, Rezeptur und Markenwelt.

Eine Auswahl traditioneller Schweizer Lebensmittel wie Kräuter, Honig, Schokolade, Käse und Kekse vor alpiner Kulisse.

Vier Kategorien, vier visuelle Aufgaben

Kategorie Was am Regal schnell verständlich sein muss Typisches Risiko
Food Sorte, Geschmack, Herkunft und Packungsformat Alpenmotive überdecken Produktinformation
Getränke Funktion, Intensität und Variantenunterschied Transparenz und Dekor konkurrieren
Health & Beauty Anwendung, Dosierung und Vertrauenssignal Fachlichkeit wird zu kleinteilig
Private Label Eigenständige Qualität und Preisposition Kopie der Markenästhetik

Getränke brauchen eine schnelle Sortenlogik. Farbflächen, klare Produktnamen und funktionale Hinweise müssen auch dann unterscheiden, wenn mehrere Flaschen nebeneinander stehen. Bei Health and Beauty zählt dagegen die verständliche Verbindung von Fachlichkeit, Anwendung und Vertrauen, oft über mehrere Sprach- und Preisniveaus hinweg.

Schweizer Logik ist nicht einfach DACH-Logik

Eine Gestaltung, die in Deutschland oder Österreich funktioniert, lässt sich nicht automatisch unverändert in die Schweiz übertragen. Mehrsprachigkeit, regionale Vertriebswege sowie importierte und exportierte Waren erhöhen den Bedarf an klaren visuellen Codes. Gleichzeitig darf ein Schweizer Signal nicht so stark werden, dass es eine Herkunft suggeriert, die rechtlich oder sachlich nicht abgesichert ist.

Private Label zeigt die Verschiebung besonders deutlich. Handelsmarken können eigenständige Qualitätswelten entwickeln, statt Markenprodukte nur preislich nachzuahmen. Dafür brauchen sie ein konsistentes Designsystem, das Kategorie, Preisniveau und Kanal zusammenhält. Grundlagen zur visuellen Gestaltung helfen dabei, einzelne Motive von einer belastbaren Markensprache zu unterscheiden.

Supply Chain, Labeling und konkrete Packaging-Empfehlungen

Ein Verpackungsrelaunch scheitert selten an einer fehlenden Idee. Häufiger fehlen belastbare Materialdaten, klare Verantwortlichkeiten oder ein Produktionspartner, der die gewünschte Konstruktion zuverlässig umsetzen kann. Die Gestaltung muss deshalb mit Beschaffung, Co-Packing, Logistik und Listing-Anforderungen verbunden werden.

Eine Checkliste für nachhaltiges Verpackungsdesign mit Mustern von ökologischen Materialien und Symbolen für umweltfreundliche Logistik und Kennzeichnung.

Prioritäten für die Umsetzung

Material vereinfachen: Mono-materiale Aufbauten können die Kommunikation und spätere Verarbeitung erleichtern. Die Hürde liegt häufig in Barriereeigenschaften, Maschinenkompatibilität oder verfügbaren Lieferanten. Deshalb sollte der Packaging Engineer die funktionalen Anforderungen vor dem finalen Artwork dokumentieren.

Tray und Lid statt komplexem Verbund prüfen: Eine getrennte Konstruktion kann einzelne Bestandteile verständlicher machen. Sie ist aber nur sinnvoll, wenn Material, Verschluss und Entsorgungsanweisung gemeinsam betrachtet werden.

Information digital ergänzen: Ein QR-Code kann zusätzliche Produkt- oder Herkunftsinformationen bereitstellen, ersetzt aber keine Pflichtangaben auf der Verpackung. Die Kennzeichnung muss auch ohne Smartphone verständlich bleiben.

EAN und GTIN früh abstimmen: Artikelnummern und Variantenlogik sollten mit dem Sortiment und dem digitalen Produktfeed übereinstimmen. Ein später Wechsel kann Packshot, Stammdaten und Listungsprozesse gleichzeitig berühren.

Swiss-Flag-Hinweise prüfen: Schweizer Kreuze, geografische Begriffe und Herkunftssignale müssen sachlich und rechtlich belastbar sein. Ein visuelles Signal darf keine falsche Herkunftserwartung erzeugen.

Supply Chain als Designparameter

Für Listungen im Schweizer Detailhandel muss die Verpackung nicht nur im Markenmeeting überzeugen. Sie muss in Stammdaten, Packshots, Kartonlogik, Palettierung und Rücknahmestrukturen funktionieren. Bei Gesprächen mit Handelsorganisationen sollten daher Materialnachweise, Variantenübersicht und digitale Produktdarstellung gemeinsam vorbereitet werden.

Die Verantwortung verteilt sich sinnvoll:

  • Brand Lead: Markenarchitektur und Positionierung.
  • Packaging Engineer: Material, Konstruktion und Produktionsfähigkeit.
  • Nachhaltigkeits-Managerin: Systemkompatibilität, Nachweise und Reporting.
  • Trade-Marketing: Regalbild, Aktivierungsflächen und digitale Darstellung.

Ein Design-Atelier wie Echt AG in St. Gallen verbindet Graphic Design, Packaging Design und Markenkommunikation mit einem auf Verhaltenspsychologie ausgerichteten Ansatz. Für Marken ist das eine mögliche Arbeitsform neben internen Teams und technischen Verpackungspartnern, sofern die regulatorische Prüfung separat belastbar abgesichert wird.

Was Marken jetzt priorisieren sollten

2026 sollte nicht mit einem neuen Frontetikett beginnen, sondern mit einer Bestandsaufnahme. Die Schweizer Regulierung, die Sammelinfrastruktur und die kanalübergreifende Kaufentscheidung treffen auf Verpackungen, die oft über Jahre in getrennten Projekten gewachsen sind. Ein Materialaudit kann sichtbar machen, wo Konstruktion, Entsorgungshinweis und tatsächliche Nutzung auseinanderfallen.

Drei Schritte für 2026

Erstens, Material und System prüfen. Der Packaging Engineer erstellt eine vollständige Komponentenliste und ordnet jede Verpackung einem realistischen Sammel- und Verwertungsweg zu. Die Nachhaltigkeits-Managerin ergänzt Nachweise, offene Lieferantendaten und Anforderungen aus der kommenden Regulierung.

Zweitens, Erkennbarkeit testen. Testkäufe im Schweizer Regal und Smartphone-Checks sollten nicht nur die Markenwirkung messen. Sie müssen zeigen, ob Zielpersonen Kategorie, Variante, Preis und Entsorgungshinweis ohne zusätzliche Erklärung erfassen.

Drittens, ein Designsystem statt Einzelvarianten entwickeln. Ein Sprint für Mono-materiale oder vereinfachte Aufbauten sollte mit einer klaren Sortimentskodierung verbunden werden. Brand Lead und Trade-Marketing prüfen anschliessend, ob die Architektur für stationäre Listungen und digitale Produktfeeds funktioniert.

Entscheidungspunkt: Frühzeitige Verpackungsarbeit kostet Ressourcen, spätere Korrekturen kosten zusätzlich Zeit, Produktionskapazität und Listungssicherheit.

Die Reihenfolge entscheidet

Gespräche über Listungen und Sortimentserweiterungen bei grossen Schweizer Handelsorganisationen für 2026 und 2027 sollten nicht erst mit fertigen Packshots beginnen. Marken benötigen vorher eine belastbare Antwort auf drei Fragen: Ist die Verpackung systemkompatibel, wird sie im Regal erkannt und bleibt sie im Onlineshop verständlich?

Die neue Verordnung schafft dabei keinen Ersatz für gute Gestaltung. Sie zwingt Marken aber, Materialwahl und Kommunikationslogik früher zusammenzuführen. Wer 2026 nur einen Nachhaltigkeitsclaim ergänzt, bearbeitet das Symptom. Wer Konstruktion, Sortierung, Erkennbarkeit und Markensprache gemeinsam prüft, schafft eine Verpackung, die auch unter veränderten Schweizer Rahmenbedingungen arbeitsfähig bleibt.


Echt AG entwickelt in St. Gallen Verpackungssysteme, Markendesigns und visuelle Kommunikationslösungen für Konsumgüter, mit Fokus auf den Entscheidungs-moment am Regal und im Onlineshop. Markenverantwortliche können die Arbeitsweise und das Angebot von Echt AG prüfen und ein Projekt für Verpackungsdesign, Rebranding oder Private Label Design anfragen.